Wohnraumverbessernde Maßnahmen

Wenn Pflegebedürftige im eigenen Zuhause gepflegt werden, kann es sinnvoll oder notwendig sein, das Wohnumfeld an ihre Bedürfnisse anzupassen. Der Staat unterstützt wohnumfeldverbessernde Maßnahmen im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze.

Wohnraumverbessernde Maßnahmen

Pflegebedürftige Menschen haben besondere Anforderungen an das Umfeld, in dem sie leben. Wer einen Pflegegrad von der Pflegeversicherung bewilligt bekommt, besitzt diesen nämlich nicht ohne Grund: Es sind körperliche und geistige Erkrankungen und Einschränkungen, die es notwendig machen, diese Menschen in der Gestaltung ihres Alltags zu unterstützen. Eine fachgerechte Pflege und Betreuung hört jedoch nicht bei der Körperpflege und Ernährung auf. Sie erstreckt sich auf sämtliche Bereiche des Alltags und somit auch auf das räumlich Umfeld, in dem pflegebedürftige Menschen sich jeden Tag aufhalten.

Vor allem die Pflege in einem häuslichen Umfeld wird in Deutschland häufig praktiziert. Viele Menschen, die pflegebedürftig werden, sei es durch einen Unfall, eine Krankheit oder ihr hohes Alter, wünschen sich, weiterhin zuhause leben zu können und dort von Angehörigen oder einem ambulanten Pflegedienst betreut zu werden. Damit sie sich aber eigenständig in den eigenen vier Wänden bewegen können, sind häufig bauliche Anpassungen notwendig. Dazu gehören u. a. Rampen anstelle von Stufen, ein Treppenlift oder Handläufe und Griffe im Badezimmer.

Wer hat Anspruch auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen?

Damit ein pflegebedürftiger Versicherungsnehmer Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten kann, muss diese zunächst seine Pflegebedürftigkeit anerkennen. Dies muss unabhängig von den einzelnen Leistungen, die jemand beziehen möchte, geschehen. Eingeteilt wird der Pflegebedarf in insgesamt 5 Stufen, die sich in die Pflegegrade 1 bis 5 unterteilen. Regelmäßige Pflegeleistungen, z. B. das monatlich ausgezahlte Pflegegeld und die Pflegesachleistungen, richten sich in ihrer Höhe ganz klar nach dem jeweiligen, von der Pflegekasse zuerkannten Pflegegrad. Andere Pflegeleistungen, die bei Bedarf bis zu einem jährlichen Höchstsatz gewährt werden, haben in der Regel denselben Leistungssatz für alle Pflegebedürftigen.

Auch die wohnraumverbessernden Maßnahmen sind für alle Pflegebedürftigen gleich zu behandeln, egal ob es sich um einen Versicherungsnehmer mit einer leichten Beeinträchtigung und Pflegegrad 1 handelt oder um einen bettlägerigen Schwerstpflegefall mit Pflegegrad 5. Die Pflegekasse übernimmt wohnraumverbessernde Maßnahmen nicht abhängig vom Pflegegrad, sondern abhängig von den tatsächlichen Veränderungen, die einem Pflegebedürftigen den Alltag erleichtern.

Sowohl im Pflegegrad 1 als auch in den Pflegegraden 2, 3, 4 und 5 übernimmt die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für den Umbau des Wohnraums. Schon 2015 wurden die Leistungen der Pflegeversicherung im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze erhöht. Pro Antragsberechtigtem liegt der Anspruch seitdem bei 4.000 Euro.

Für welche Maßnahmen erhalten Pflegebedürftige staatliche Zuschüsse?

Damit pflegebedürftige Versicherungsnehmer auch im Fall einer Pflegesituation weiterhin in ihren eigenen vier Wänden leben können, muss in vielen Fällen ein umfangreicher Umbau vorgenommen werden. In jungen Jahren stellen Treppen und hohe Kanten noch keinerlei Einschränkung dar, sondern lockern das Wohnumfeld im Zweifel sogar auf. Ist ein Mensch aber im Alter oder durch eine Krankheit beispielsweise auf einen Rollstuhl angewiesen oder kann nach einer Knieoperation keine Stufen mehr überwinden, wird das eigene Zuhause zu einem Ort, in dem er sich nicht mehr ohne fremde Hilfe fortbewegen kann.

Um eine solche Einschränkung zu vermeiden und Pflegebedürftigen die Möglichkeit zu geben, weiterhin zuhause zu leben, kann jedoch einiges getan werden. Doch nicht immer muss der Umbau auch aufwendig sein. Eine Beratung durch die zuständige Pflegekasse zeigt Möglichkeiten auf, wie das Wohnumfeld im Rahmen der wohnraumverbessernden Maßnahmen verändert und auf die individuellen Bedürfnisse eines Pflegebedürftigen angepasst werden kann. Der Vorteil einer Beratung durch die Pflegekasse liegt klar auf der Hand: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erfahren direkt, ob die von ihnen angedachten oder gewünschten Umbauten bezuschusst werden oder nicht.

Viele Maßnahmen, die einem Pflegebedürftigen den Alltag und die eigenständige Fortbewegung deutlich erleichtern können, können ohne großen Aufwand umgesetzt werden und werden dementsprechend auch von der Pflegekasse subventioniert:

  • Hohe Türschwellen zwischen Räumen oder zum Balkon oder der Terrasse können begradigt werden.
  • Lichtschalter oder Küchenschränke können tiefer angebracht werden, damit sie auch von einem Rollstuhl aus erreichbar sind.
  • Im Badezimmer können Waschbecken und Toilette tiefer gesetzt werden.

In vielen Bereichen ist zudem kein richtiger Umbau notwendig. Hier reichen schon kleine Veränderungen aus, um Pflegebedürftigen den Alltag einfacher zu machen:

  • Haltegriffe neben der Toilette und in der Badewanne.
  • Sitzgelegenheit in der Dusche.
  • Treppenlifte

Wie erfolgt die Beantragung und Durchführung von wohnraumverbessernden Maßnahmen?

Wer sich mit der Frage nach Maßnahmen beschäftigt, mit denen er einem pflegebedürftigen Angehörigen die Gestaltung des Alltags erleichtern kann, muss sich im Grunde nur in dessen Wohnumfeld umschauen. Vor allem der Boden und die Wände rücken dabei in den Fokus. Im Zuge von wohnumfeldverbessernden Umbauten können Schwellen begradigt und Rampen anstelle von kleinen Stufen gelegt werden. Lichtschalter, Küchenschränke und Kühlschrank können auf ein Niveau gesetzt werden, an das man auch im Sitzen gut herankommt. Ideal ist das Wohnumfeld für einen pflegebedürftigen Menschen, wenn sich alle Räume auf einer Ebene befinden. Muss aber z. B. das Schlafzimmer im Obergeschoss verbleiben, kann ein Treppenlift eingebaut werden, der beim Überwinden der Treppe hilft.

Für diese Umbauten stellt die Pflegeversicherung bis zu 4.000 Euro zur Verfügung. Leben mehrere Antragsberechtige zusammen, z. B. bei Ehepartnern oder in einer Pflege-WG, können die Subventionen auf bis zu 16.000 Euro erhöht werden. Voraussetzung ist, dass die jeweils geplante Umbaumaßnahme wirklich den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen entspricht und es keine günstigere Alternative gibt. Eine Auflistung möglicher Maßnahmen und eine Beratung bei der Pflegekasse sind deshalb wichtige Schritte, um den Anspruch bei der Pflegeversicherung durchzusetzen.

Sobald man weiß, welche Maßnahmen gefördert werden, kann bei der Pflegeversicherung ein Antrag auf die Umsetzung der jeweiligen Maßnahme gestellt werden. Erst danach sollte der Umbau fachgerecht durchgeführt werden.

Die Umsetzung von wohnraumverbessernden Maßnahmen kommt nicht nur dem Pflegebedürftigen selbst zugute. Auch für Pflegepersonen wird die Pflege und Betreuung einfacher, wenn der pflegebedürftige Versicherungsnehmer sich selbstständig in der Wohnung bewegen und beispielsweise mit dem Rollstuhl bis in die Dusche hineinfahren kann. Davon profitieren z. B. pflegende Angehörige, aber auch Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten.

2018-01-18T10:13:24+00:00
KONTAKT
close slider