160 Bewertungen auf kundennote.com
­

Pflegeleistungen bestehen in Deutschland nicht nur aus monatlichen Zahlungen, die sich in ihrer Höhe nach dem Pflegegrad richten. Darüber hinaus erhalten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auch zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Weil sich das deutschen Pflegesystem wie ein Baukasten aus vielen verschiedenen Bausteinen und Pflegeleistungen zusammensetzt, durchblickt diese Strukturen nicht jeder sofort. Zwar ist das System nach der Pflegereform, die Anfang des Jahres 2017 ihren vorläufigen Abschluss fand, insgesamt übersichtlicher geworden. Trotzdem weiß aber längst nicht jeder Pflegebedürftige, welche Leistungen ihm wirklich zustehen.

Den Überblick zwischen Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Pflegehilfsmitteln, Kurzzeit- und Verhinderungspflege, Tages- und Nachtpflege sowie Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu behalten, ist nicht leicht. Die sogenannten Betreuungs- und Entlastungsleistungen gehören zu den einfacheren Leistungen der Pflegekasse: Jeder anerkannt Pflegebedürftige hat einen Anspruch darauf, und sie sind für jeden gleich, unterscheiden sich also nicht in der Höhe der monatlichen Zahlungen.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Was versteht man unter Betreuungs- und Entlastungsleistungen?

Wie sämtliche Pflegeleistungen, die von den Pflegeversicherungen gezahlt werden, sind auch die Betreuungs- und Entlastungsleistungen gesetzlich festgelegt. Den Anspruch auf Entlastungsleistungen regelt § 45b des Elften Sozialgesetzbuchs (SGB XI). Demnach haben seit 01. Januar 2017 alle Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

Diese Entlastungsleistungen werden monatlich an die Pflegebedürftigen ausgezahlt und betragen, unabhängig vom Pflegegrad, 125 Euro pro Monat. Voraussetzung für den Bezug der Entlastungsleistungen ist, dass die Pflege in einem häuslichen Umfeld erfolgt – gleichzeitig werden die Pflegebedürftigen verpflichtet, den Betrag zweckgebunden einzusetzen. Die Entlastungsleistung versteht sich als zweckgebunden insofern, als sie dazu eingesetzt werden soll, Angehörige für ihren Einsatz zu entschädigen oder den Pflegebedürftigen in der eigenständigen Gestaltung seines Alltags zu unterstützen.

Eingesetzt werden kann der Entlastungsbetrag beispielsweise für Kosten, die durch die Tages- oder Nachtpflege entstehen oder für einen Alltagsbegleiter, der dem Pflegebedürftigen bei Einkäufen und Erledigungen hilft, ihn zu Veranstaltungen in seinem gesellschaftlichen Umfeld begleitet oder ihn bei der Bewältigung seines Alltags unterstützt. Diese Leistungen können von Privatpersonen, aber auch von einem ambulanten Pflegedienst übernommen werden.

Wird im Laufe eines Kalenderjahres nicht der gesamte Anspruch auf Entlastungs- und Betreuungsleistungen genutzt, kann er auch noch im darauffolgenden Jahr verwendet werden. Bis zum 30. Juni des Folgejahres können Pflegebedürftige auf überschüssige Entlastungsbeträge zugreifen und die entsprechenden Pflegeleistungen in Anspruch nehmen.

Wie werden Betreuungs- und Entlastungsleistungen beantragt?

Einfach so bekommt niemand Zugriff auf einzelne Pflegeleistungen der Pflegeversicherungen. Auch für Betreuungs- und Entlastungsleistungen ist ein Antrag notwendig. Wie auch bei allen anderen Anträgen bei der Pflegekasse muss dieser schriftlich erfolgen und vom Pflegebedürftigen selbst gestellt werden. Lediglich wenn der Pflegebedürftige aufgrund seines gesundheitlichen Zustands nicht in der Lage ist, den Antrag selbst zu stellen, darf ein gesetzlich bestimmter Vertreter dies für ihn übernehmen.

Um den Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei der Pflegeversicherung durchzusetzen, muss dem Antrag zu entnehmen sein, dass der Pflegebedürftige einen anerkannten Pflegegrad besitzt. Zusätzlich muss dieser mit einer Kopie beispielsweise des Bewilligungsbescheids nachgewiesen werden.

In der Regel erhält der Pflegebedürftige selbst die Auszahlung der Entlastungsleistungen. Wurde aber eine Betreuungs- oder Entlastungsleistung mit einem professionellen Pflegedienst vereinbart, ist es für alle Beteiligten einfacher, wenn der Betrag direkt von der Pflegekasse an den zuständigen Pflegedienst überwiesen wird. Dafür ist es jedoch notwendig, nicht nur einen Antrag zu stellen, sondern auch eine Abtretungserklärung aufzusetzen und der Pflegeversicherung zukommen zu lassen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Pflegekasse direkt eingreifen kann, falls eine Entlastungsleistung vereinbart wurde, für die die Pflegeversicherung nicht aufkommt.

Welche Leistungen können als Entlastungsleistungen abgegolten werden?

Wofür der Entlastungsbetrag eingesetzt werden kann, ist breit gefächert. Er kann für eine Person eingesetzt werden, die den Pflegebedürftigen zum Hausarzt oder ins Krankenhaus begleitet, für Unterstützung im Haushalt oder für das tägliche Vorlesen der Tageszeitung. Dabei ist jedoch zwischen Entlastungs- und Betreuungsleistungen zu unterscheiden.

Folgende Leistungen fallen unter anderen unter die Regelungen der zusätzlichen Entlastungsleistung:

  • Tages- und Nachtpflege
  • Kost und Logis während der Kurzzeitpflege
  • Verhinderungspflege
  • Dienstleistungen im Haushalt (z. B. Reinigung der Wohnung, Botengänge, Einkäufe, Waschen, Verpflegung, Fahrdienste)
  • Engagieren eines Alltagsbegleiters (z. B. Begleitung bei Arztbesuchen, Spaziergänge, Besuch des Friedhofs)
  • Inanspruchnahme eines Pflegebegleiters (zur Unterstützung eines pflegenden Angehörigen)

Folgende Leistungen fallen unter anderen unter die Regelungen der zusätzlichen Betreuungsleistung:

  • Tagesbetreuung in Kleingruppen
  • Spezielle Betreuung für Demenzkranke
  • Einzelbetreuung
  • Besuchsdienste
  • Mobilisation unter Begleitung
  • Angebote zur Familienentlastung
  • Angebote der Beschäftigung und Aktivierung
  • Sinnvolle Beschäftigung (z. B. Kochen, Backen, Lesen, Gesellschaftsspiele)
  • Spezielle Angebote für Demenzkranke
Pflegegrad

Betreuungs- und  Entlastungsleistungen

(monatlich)

Pflegegrad 1 € 125
Pflegegrad 2 € 125
Pflegegrad 3 € 125
Pflegegrad 4 € 125
Pflegegrad 5 € 125
Alle Pflegeleistungen in der Übersicht

Wie und wo erfolgen zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen?

Weil es sich, insbesondere bei Betreuungsdienstleistungen, in der Regel um kurzzeitige Angebote handelt, die nur stundenweise in Anspruch genommen werden, finden sie häufig bei einem Pflegebedürftigen zuhause statt.

Auch Alltagsbegleiter werden stundenweise engagiert, um einen Pflegebedürftigen beispielsweise zum Arzt zu begleiten, mit ihm auf den Friedhof zu gehen oder ihm Gesellschaft beim Kochen oder Lesen zu leisten.

Angebote, die die Beschäftigung und Aktivierung von Pflegebedürftigen und Demenzkranken fördern, finden häufig in Betreuungsgruppen statt. Auch hier kann wiederum ein Alltagsbegleiter in Anspruch genommen werden, der den Pflegebedürftigen in die entsprechende Einrichtung begleitet. Weil hierfür in der Regel keine aufwendigen Verträge geschlossen werden müssen, bezeichnet die Pflegeversicherung derartige Betreuungsleistungen auch als „niederschwellige“ Pflegeleistungen, die ohne großen Aufwand zugänglich sind.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
2018-01-18T10:11:59+00:00
Kontakt

Sichern Sie sich kostenlos und unverbindlich 30 Minuten Beratung durch einen Experten:

Rufen Sie uns an

0211 – 97 17 77 26

Oder schreiben Sie