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Pflegereform

Am 01. Januar 2017 haben die Pflegegrade das bisherige System der Pflegestufen abgelöst. Sie regeln mit neuen Abstufungen, welche Leistungen pflegebedürftige Menschen von der Pflegeversicherung erhalten.

Pflegegrad 1 // Pflegegrad 2 // Pflegegrad 3 // Pflegegrad 4 // Pflegegrad 5

Die Pflegegrade

Zunehmendes Alter, Krankheit oder eine körperliche bzw. geistige Behinderung können dazu führen, dass Menschen in ihrem Alltag auf fremde Hilfe angewiesen sind. Oftmals werden die Defizite, die sowohl körperlicher als auch geistiger Art sein können, zunächst von Familienmitgliedern und Angehörigen aufgefangen, die ihre Freizeit in die Pflege von Eltern, Großeltern, Partner und Kindern investieren. Je stärker aber eine Krankheit oder Behinderung die Alltagskompetenz beeinträchtigt, desto mehr Unterstützung wird benötigt. Ein ambulanter Pflegedienst, eine Tagespflege oder eine stationäre Betreuungseinrichtung können die Angehörigen bei der Pflege entlasten, kosten aber zum Teil sehr viel Geld. Damit die Betroffenen nicht für alles selbst aufkommen müssen, ist es möglich, über die Pflegeversicherung Leistungen für Pflegedienste, pflegende Angehörige sowie Pflegesachleistungen zu erhalten.
Bis Ende 2016 wurde die Bereitstellung von Leistungen aus der Pflegeversicherung durch das sogenannte Pflegestufensystem geregelt. In einem dreistufigen System mit einer zusätzlichen Härtefallregelung wurden alle Fälle erfasst, die eine Pflege aufgrund von körperlicher Erkrankung oder Behinderung erforderlich machten. Geistige Behinderungen, psychische Erkrankungen oder Krankheiten wie Demenz und Alzheimer wurden dabei jedoch kaum berücksichtigt, weil sie nicht in das Schema passten. Menschen mit einer Demenzerkrankung, die offenkundig nicht in der Lage sind, ihren Alltag eigenständig zu gestalten, erhielten daher nicht die notwendigen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Mit einem neuen Pflegegesetz sind zum Jahresbeginn 2017 anstelle der Pflegestufen nun die sogenannten Pflegegrade in Kraft getreten, die in einem fünfstufigen System regeln, wie viel Geld pflegebedürftige Menschen erhalten, um für die Kosten ihrer Pflege aufzukommen.

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Pflegestärkungsgesetz und Pflegereform

Der zunehmende Anstieg von geistigen Krankheiten, die mit dem Alter zusammenhängen, etwa Demenz oder Alzheimer, hat auch die Regierung auf den Plan gerufen. Das System der Pflegestufen wurde als nicht mehr zeitgemäß erkannt und im Rahmen der sogenannten Pflegereform aufgearbeitet und an die aktuelle und zukünftige Situation vieler Pflegebedürftiger angepasst. Bereits zwischen 2015 und 2017 sind erste Neuerungen durch die Pflegestärkungsgesetze in Kraft getreten. Diese enthalten eine neue Definition von Pflegebedürftigkeit und beziehen auch geistige Defizite, psychische Krankheiten und geistige Behinderungen mit in die Einstufung ein. Insbesondere die sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz, die mit einer geistigen Erkrankung einhergeht, wird mit den neuen Pflegegraden abgedeckt, was zuvor nicht der Fall war. Um die neuen, umfassenden Pflegegrade finanzieren zu können, ist an die Einführung der Pflegestärkungsgesetze allerdings eine Erhöhung der Beiträge für die Pflegeversicherung gekoppelt.
Anstelle von drei Pflegestufen sollen künftig fünf Pflegegrade regeln, wie viele und welche Leistungen pflegebedürftige Personen von der Pflegeversicherung erhalten. das neue, fünfstufige System soll ermöglichen, dass die betroffenen Patienten individueller eingestuft werden können und somit auch bessere Leistungen erhalten, die ihrer Pflegebedürftigkeit aufgrund von körperlichen und geistigen Einschränkungen entsprechen. Insbesondere die geistigen Beeinträchtigungen der Alltagskompetenz, die durch Demenz oder psychische Erkrankungen entstehen, werden zukünftig als Pflegebedürftigkeit anerkannt. Während die Pflegestufen darauf basierten, ob ein Patient rein theoretisch in der Lage war, seinen Alltag zu meistern, steht mit den Pflegegraden die tatsächliche, praktische Kompetenz der Betroffenen im Mittelpunkt, mit der sie alltägliche Verrichtungen der Körperpflege, Mobilität oder Nahrungsaufnahme meistern können oder eben auch nicht. Damit gehört auch die Bestimmung des zeitlichen Aufwands, der für die tägliche Pflege anfällt, der Vergangenheit an.

Welche Voraussetzungen müssen für die Pflegegrade erfüllt sein?

Die Einstufung eines Patienten folgt grundsätzlich demselben Verfahren wie die Einordnung in eine Pflegestufe. Nachdem der Antrag auf die Einstufung bei der Krankenkasse bzw. der Pflegeversicherung gestellt wurde, wird nach wie vor ein Gutachter bestellt, der die Pflegebedürftigkeit des Patienten bestimmen soll. Während es früher einzig darum ging, wie viel Zeit täglich auf die sogenannte Grundpflege sowie hauswirtschaftliche Aufgaben verwendet werden musste (die sogenannte Minutenpflege), steht mit der Einführung der Pflegegrade der Grad der Selbstständigkeit des Patienten im Vordergrund.
Der Gutachter beobachtet den Betroffenen in seinem gewohnten Umfeld der eigenen Wohnung und stellt fest, in welchem Umfang er noch in der Lage ist, seinen Alltag ohne fremde Hilfe zu meistern. Die Einstufung folgt einem Punktesystem, in dem der Gutachter für verschiedene Kriterien, die für die Alltagskompetenz ausschlaggebend sind, Punkte vergibt. Je niedriger dabei die Kompetenz des Patienten ausfällt, desto mehr Punkte gibt es. Die Pflegeversicherung legt anhand der Summe fest, welchen Pflegegrad der Patient zukünftig erhält. Folgende Bereiche werden dabei betrachtet und auf Defizite überprüft:

  • körperliche Mobilität
  • die Fähigkeit, sich selbstständig zu versorgen
  • geistige Fähigkeiten
  • sprachliche Fähigkeiten
  • allgemeines Verhalten des Patienten
  • Umgang mit der eigenen Krankheit
  • Umgang mit körperlicher/psychischer Belastung
  • soziales Umfeld (Familie, soziale Kontakte)

Anpassung der Pflegestufen auf die Pflegegrade

Die bisherigen Pflegestufen bleiben mit der Neuregelung nicht erhalten. Wer bereits vor Ende 2016 eine Einstufung in eine Pflegestufe erhalten hat, wird mit der neuen Strukturierung ab dem 01. Januar 2017 in den entsprechenden Pflegegrad überführt. Dies erfolgt automatisch durch die Pflegeversicherung – die Betroffenen müssen selbst keine Handlung vornehmen. Bei der Überleitung in das Pflegegradsystem verfolgt der Staat das Ziel, dass kein Patient schlechter gestellt werden soll. Vielmehr sollen bereits bekannte Demenzerkrankungen oder andere geistige Einschränkungen direkt erfasst werden und mit dem entsprechenden Pflegegrad versehen werden. Dabei folgt die Einstufung dem Prinzip, dass jeder Patient mindestens einen und maximal zwei Pflegegrade höher eingestuft wird als bisher:

bis 2016: Pflegestufe 0 (mit Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 2
bis 2016: Pflegestufe 1 (ohne Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 2
bis 2016: Pflegestufe 1 (mit Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 3
bis 2016: Pflegestufe 2 (ohne Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 3
bis 2016: Pflegestufe 2 (mit Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 4
bis 2016: Pflegestufe 3 (ohne Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 4
bis 2016: Pflegestufe 3 (mit Demenz) – ab 2017: Pflegegrad 5
bis 2016: Pflegestufe 3 (Härtefall) – ab 2017: Pflegegrad 5

Da die Überleitung der bisherigen Pflegestufen die Pflegegrade von 2 bis 5 betrifft, kommt der Pflegegrad 1 neu hinzu. Patienten, die nur eine sehr leichte Einschränkung des Alltags vorweisen können, aber dennoch z. B. einen Umbau in der Wohnung benötigen oder im Alltag in geringfügigem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, können mit dem Pflegegrad 1 Leistungen erhalten, die es ihnen ermöglichen sollen, möglichst lange zu Hause wohnen zu können. In den Leistungen für Pflegegrad 1 sind z. B. Zuschüsse für den barrierefreien Umbau der Wohnung, für Pflegeberatung und Pflegehilfsmittel sowie für betreutes Wohnen enthalten.

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Pflegegrad

mögliche Pflegeleistungen

bei häuslicher Pflege (jährlich)

Pflegegrad 1 € 5.980
Pflegegrad 2 € 21.264
Pflegegrad 3 € 31.320
Pflegegrad 4 € 37.284
Pflegegrad 5 € 43.956
Pflegegrad

mögliche Pflegeleistungen

bei ambulanter Pflege (jährlich)

Pflegegrad 1 € 5.980
Pflegegrad 2 € 25.740
Pflegegrad 3 € 40.356
Pflegegrad 4 € 47.892
Pflegegrad 5 € 57.084
Pflegegrad

mögliche Pflegeleistungen

bei stationärer Pflege (jährlich)

Pflegegrad 1 € 3.480
Pflegegrad 2 € 22.712
Pflegegrad 3 € 35.924
Pflegegrad 4 € 45.848
Pflegegrad 5 € 53.204
Alle Pflegeleistungen in der Übersicht

Pflegegrad 1

Der neue Pflegegrad 1 trifft auf Menschen zu, die bislang überhaupt keine Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten haben, weil ihre Einschränkungen des Alltags zu geringfügig waren.
Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag selbstständig zu gestalten, sind auf die Hilfe von Angehörigen oder professionellen Pflegekräften angewiesen. Mit dem seit 01. Januar 2017 geltenden System der Pflegegrade können auch Menschen, deren Einschränkungen bislang zu gering waren, um eine Pflegestufe zu erhalten, von Leistungen aus der Pflegeversicherung profitieren. Während bis Ende 2016 vor allem körperliche Faktoren ausschlaggebend dafür waren, ob und wie viele Leistungen man erhielt, werden körperliche und geistige Defizite in der Einstufung nun gleichwertig betrachtet.
Im Durchschnitt erhalten die Betroffenen höhere Gelder, weil auch Demenz und weitere geistige Erkrankungen berücksichtigt werden. Der Staat stellt mehr Mittel für die Pflege zur Verfügung und plant eine Angleichung der Leistungen an die Preisentwicklung. Allerdings erhöhen sich mit der Pflegereform auch die Beiträge für die Pflegeversicherung.

Voraussetzungen für Pflegegrad 1

Aufgrund neuer Beurteilungskriterien, die bei der Einstufung pflegebedürftiger Patienten zur Anwendung kommen, können nun auch Menschen, die bislang durch die engen Rahmenbedingungen des Pflegestufensystems durch das gesetzliche Raster fielen, Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Der neu hinzugekommene Pflegegrad 1 ist auf Patienten zugeschnitten, deren Anforderungen an Hilfestellung und Unterstützung bislang nicht einmal für die Pflegestufe 0 gereicht haben.
Pflegegrad 1 wird als „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ definiert und findet bei 12,5 bis unter 27 Punkten Anwendung. Anders als die Pflegestufen werden Pflegegrade nicht nach den Minuten des täglichen Pflegeaufwands berechnet, sondern nach einem Punktesystem, das für verschiedene Kriterien der Alltagskompetenz Punkte vergibt. Die Gesamtsumme bildet die Grundlage für die Einordnung in den jeweiligen Pflegegrad durch die Pflegeversicherung. Mit dem Pflegegrad 1 erhalten nun mehr Menschen die Möglichkeit, zumindest einen kleinen Betrag für die Pflege zu erhalten.
Die Voraussetzungen für Pflegegrad 1 sind dann erfüllt, wenn der Betroffene geistig und körperlich eigentlich noch fit und beweglich, aber in geringem Maße auf Unterstützung angewiesen ist Mit mindestens 12,5 Punkten, die durch den Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK) in sechs Aktivitätsbereichen vergeben werden, erhalten diese Patienten Pflegegrad 1.

Anspruch und Leistungen des Pflegegrads 1

Um Leistungen aus dem Pflegegrad 1 zu erhalten, müssen pflegebedürftige Patienten nachweisen, dass sie in geringfügigem Maße auf Hilfe angewiesen sind, obwohl sie grundsätzlich noch beweglich sind, und zwar sowohl körperlich als auch geistig. Weil dieser Pflegegrad keiner zuvor vergebenen Pflegestufe entspricht, ist es notwendig, ab dem 01. Januar 2017 einen Antrag auf die Einstufung in Pflegegrad 1 zu stellen. Pflegebedürftige Patienten, deren Einschränkungen in der Alltagskompetenz zuvor nicht für eine Einstufung gereicht haben, sollten daher mit der Umstellung einen neuen Antrag stellen.
Inhaltlich und im Bezug auf die Leistungen entspricht der Pflegegrad 1 der ehemaligen Pflegestufe 0. Konkret bedeutet das, dass nur Patienten, bei denen keine geistige Einschränkung, z. B. in Form einer Demenzerkrankung, vorliegt, die aber leichte körperliche Beeinträchtigungen aufweisen, in Pflegegrad 1 eingestuft werden. Sobald eine Demenz oder eine andere geistige Erkrankung bescheinigt wird, erfolgt automatisch eine Einstufung in Pflegegrad 2 – auch Patienten, die zuvor Pflegestufe 0 hatten, werden direkt in Pflegegrad 2 übergeleitet.
Somit trifft Pflegegrad 1 auf Patienten zu, die beispielsweise motorische Einschränkungen aufgrund einer Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankung besitzen oder nach einem Schlaganfall noch Restlähmungen und deshalb Probleme mit dem Gehen und Stehen haben.
Folgende sechs Bereiche werden durch den Gutachter des MDK überprüft und müssen eine Gesamtpunktzahl von 12,5 bis unter 27 erreichen, um in Pflegegrad 1 eingestuft zu werden:

  • Mobilität: Aufstehen, Zubettgehen, Hinsetzen, Gehen, Treppensteigen
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Sprachfähigkeit, räumliche und zeitliche Orientierung, Entscheidungsfähigkeit
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Unruhe, psychische Belastungen, motorisch auffälliges Verhalten
  • Selbstversorgung: Körperpflege, An- und Ausziehen, Zubereitung von Mahlzeiten, Nahrungsaufnahme
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Arztbesuche, Stellen der Medikamente,
  • Einnahme von Medikamenten
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Beschäftigungen in der Freizeit, Kontakt zu Familie und Freunden, weitere soziale Kontakte

Die Leistungen des Pflegegrads 1 sind nur gering und liegen bei 125,00 Euro im Monat. Weil die Betroffenen noch weitgehend selbstständig sind, ist im Pflegegrad 1 beispielsweise keine Leistung für die Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst vorgesehen. Die Patienten sind noch in der Lage, sich selbst zu versorgen und ihren Alltag in den meisten Bereichen ohne fremde Hilfe selbstständig zu gestalten. Daher besteht kein Anspruch auf Gelder für die Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst, der ausgezahlte Betrag kann aber für derartige Leistungen genutzt werden.
Davon abgesehen sieht die Pflegeversicherung vor, dass die Leistungen aus Pflegegrad 1 verwendet werden, um den Patienten im Alltag zu entlasten, beispielsweise durch das Einstellen einer Haushaltshilfe für die Wohnungsreinigung oder eine Person, die für Einkäufe, Spaziergänge und Gespräche bereitsteht. Für geringfügig Hilfebedürftige gibt es zudem in vielen Städten Angebote von Betreuungsgruppen, in denen die Betroffenen mit Gleichgesinnten zusammentreffen und körperlich und geistig aktiviert werden.
Versicherte, die in den Pflegegrad 1 eingestuft wurden und alleine noch zu Hause wohnen, haben darüber hinaus Anspruch auf Sonderleistungen, die z. B. den barrierefreien Umbau der Wohnung bezuschussen oder den Kauf von medizinischen Hilfsmitteln oder Pflegehilfsmitteln ermöglichen. Zudem können Angehörige kostenlos einen Pflegekurs absolvieren.

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Pflegegrad 2

Pflegegrad 2 kommt für alle Menschen infrage, die zuvor in Pflegestufe 0 oder 1 eingeteilt waren. Mit den neuen Pflegegraden werden beim Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung erstmals auch geistige Erkrankungen berücksichtigt.
Seit dem Jahresbeginn 2017 gelten im Verantwortungsbereich der Pflegeversicherungen neue Standards. Wer seinen Lebensalltag nicht mehr alleine gestalten kann, weil körperliche Erkrankungen, zunehmendes Alter oder geistige Defizite dies einschränken oder unmöglich machen, soll zukünftig von einer individuelleren Einstufung und entsprechend höheren Leistungen profitieren. Wurde für einen Versicherten bereits ein Antrag auf Pflegebedürftigkeit gestellt und bewilligt, wird er mit dem 01. Januar 2017 automatisch von der Pflegestufe 0 oder 1 in den neuen Pflegegrad 2 übergeleitet. Diese Änderung basiert auf der sogenannten Pflegereform und soll dazu führen, dass auch altersbedingte Krankheiten wie beispielsweise Demenz als Fall einer Pflegebedürftigkeit anerkannt werden.
Um eine Einstufung in Pflegegrad 2 zu erhalten, müssen Versicherte nachweislich „in ihrer Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigt“ sein. Die Entscheidung, welcher Pflegegrad für einen Antragsteller angemessen ist, wird durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) getroffen und begründet.

Voraussetzungen für Pflegegrad 2

Anders als noch bis Ende 2016 ist nicht mehr der zeitliche Aufwand für die tägliche Pflege eines Patienten ausschlaggebend, wenn es um die Zuteilung von Leistungen aus der Pflegeversicherung geht. Stattdessen gelten im Zuge der neuen Pflegestärkungsgesetze, die durch den Bundestag verabschiedet wurden, neue Kriterien, nach denen eine Pflegebedürftigkeit gemessen und entsprechend eines Gutachtens des MDK festgesetzt wird.
Die Entscheidung, welchen Pflegegrad ein Versicherter erhält, wird seit Januar 2017 mithilfe eines Punktesystems errechnet. Der Gutachter vergibt für sechs verschiedene Kategorien, die das alltägliche Leben betreffen, Punkte. Je geringer die Kompetenz in einer dieser Kategorien ausfällt, desto mehr Punkte werden vergeben. Die Summe der sechs Kriterien legt fest, welchen Pflegegrad der oder die Betroffene erhält.
Bei den Kriterien für die Einstufung in einen Pflegegrad handelt es sich um:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Mit einem Gesamtpunktebereich zwischen 27 und weniger als 47,5 Punkten werden die Pflegebedürftigen in den Pflegegrad 2 eingeordnet. Sie sind laut Pflegestärkungsgesetz bereits deutlich auf Hilfe im Alltag angewiesen, wobei Pflegegrad 2 als „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“ definiert wird. Der Gutachter des Medizinischen Dienstes untersucht, welche Fähigkeiten der Patient auf körperlicher, psychischer sowie kognitiver Ebene besitzt und rechnet entsprechende Defizite auf den Grad der Selbstständigkeit an.

Anspruch und Leistungen des Pflegegrads 2

Pflegebedürftige Patienten erhalten dann Leistungen, die dem Satz des Pflegegrads 2 entsprechen, wenn sie sowohl körperlich als auch geistig leicht eingeschränkt sind, oder aber die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit aufgrund einer körperlichen oder geistigen Erkrankung so weit fortgeschritten ist, dass in der Regel mindestens zwei bis drei Mal täglich Unterstützung durch einen Angehörigen oder einen ambulanten Pflegedienst erforderlich ist. Liegt die Gesamtpunktzahl des Gutachtens zwischen 27 und weniger als 47,5 Punkten, haben die Betroffenen Anspruch auf die Leistungen des Pflegegrads 2.
Um in den Pflegegrad 2 eingestuft zu werden, müssen Pflegebedürftige vor dem 31.12.2016 bereits Leistungen aus Pflegestufe 0 oder 1 erhalten haben. Der Umwandlung der Pflegereform entsprechend erhalten sowohl rein körperlich beeinträchtigte Patienten der Pflegestufe 1 als auch demenzkranke oder psychisch erkrankte Versicherte ohne Pflegestufe (Pflegestufe 0) nun die Leistungen des Pflegegrads 2.
Die ungefähre Zeit, die für die Grundpflege eines Patienten des Pflegegrads 2 eingeplant werden muss, liegt zwischen 30 und 127 Minuten. Um für die Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst aufkommen zu können, haben Versicherte des Pflegegrads 2 Anspruch auf ein monatliches Pflegegeld sowie Pflegesachleistungen.
Das monatliche Pflegegeld, das im Pflegegrad 2 ausgezahlt wird, liegt bei einem Betrag von 316 Euro. Dieser ist sowohl gegenüber der Pflegestufe 1 als auch der Pflegestufe 0 höher angesetzt (72 bzw. 193 Euro mehr als zuvor), was dem Anspruch der Pflegereform entspricht, dass mit den Neuerungen kein Patient schlechter gestellt werden soll als vorher. Im Bereich der Pflegesachleistungen, die z. B. die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst abdeckt, der die Betroffenen mehrmals täglich betreut und in ihrer Grundversorgung unterstützt, hat ein Versicherter des Pflegegrads 2 Anspruch auf 689 Euro im Monat. Dieser Betrag wird allerdings nicht direkt an den Patienten ausgezahlt, sondern mit den Pflegediensten verrechnet. Wie das Pflegegeld hat sich auch der Betrag der Pflegesachleistungen deutlich gegenüber den bislang geltenden Pflegestufen erhöht.
In der Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistungen ist es den Patienten allerdings in der Regel nicht möglich, beide Beträge vollständig auszuschöpfen. Wird z. B. die Unterstützung durch einen Pflegedienst mit der Pflege eines Angehörigen kombiniert, wird das Pflegegeld entsprechend angepasst, wenn die Pflegesachleistungen nicht in vollem Umfang benötigt werden.

Weitere Leistungen des Pflegegrads 2

Über die grundlegenden Leistungen von Pflegegeld und Pflegesachleistungen hinaus können die Patienten des Pflegegrads 2 weitere Gelder in Anspruch nehmen. Beispielsweise sieht das Gesetz einen kleinen Betrag von 125 Euro im Monat für Betreuungs- und Entlastungsleistungen vor, von dem die Versicherten eine Betreuungsgruppe besuchen, einen Alltagshelfer engagieren oder eine Haushaltshilfe einstellen können, um einerseits den Alltag zu entlasten und andererseits soziale Kontakte zu pflegen.
Eine Kurzzeitpflege, eine Verhinderungspflege im Fall von Urlaub oder Verhinderung des pflegenden Angehörigen sowie eine Tagespflege sind ebenfalls im Pflegegrad 2 vorgesehen:
Kurzzeitpflege: Nach einem Klinikaufenthalt können Patienten kurzzeitig auf eine Unterbringung in einem Pflegeheim angewiesen sein. Die Kasse zahlt für bis zu 28 Tage maximal 1.612 Euro im Jahr.
Verhinderungspflege: Ist der Angehörige, der eigentlich die Pflege des Patienten leistet, verreist oder verhindert, erhalten Patienten des Pflegegrads 2 ebenfalls maximal 1.612 Euro pro Jahr für insgesamt bis zu 28 Tage.
Tages-/Nachtpflege: Eine teilstationäre Pflege wird mit bis zu 689 Euro im Monat bezuschusst.
Über diese Leistungen hinaus können Versicherte der Pflegestufe 2 auch Zuschüsse für den barrierefreien Wohnungsumbau, für medizinische Hilfs- und Pflegemittel sowie die stationäre Pflege beantragen.

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Pflegegrad 3

Wer bis 2016 Pflegestufe 1 oder 2 erhalten hat, wird seit dem 01. Januar 2017 in Pflegegrad 3 übergeleitet. Die Leistungen der Pflegeversicherung entsprechen einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.
Bis Ende 2016 wurden Pflegeversicherte mit einem Anspruch auf Pflegebedürftigkeit in ein dreigliedriges System von Pflegestufen eingeordnet, um Leistungen aus der Pflegeversicherung zu erhalten, wenn sie nicht mehr in der Lage waren, ihren Alltag selbstständig und ohne fremde Hilfe zu leben und zu gestalten. In diesem System wurden allerdings ausschließlich körperliche Ursachen für die mangelnde Alltagskompetenz anerkannt, weshalb insbesondere Patienten mit Demenz oder einer anderen geistigen oder psychischen Erkrankung häufig nur unzureichend erfasst werden konnten. Mit der Pflegereform, die mit dem 01. Januar 2017 in Kraft getreten ist, soll sich das Verfahren der Einstufung zugunsten der Betroffenen ändern. Insgesamt 5 Pflegegrade regeln, wer wie viele Leistungen erhält und legen dabei einen deutlichen Fokus auf die Gleichstellung von Menschen mit geistigen Defiziten.
Pflegegrad 3 wird als „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ beschrieben. Diese Stufe der Pflegebedürftigkeit entspricht der alten Pflegestufe 1, sofern eine eingeschränkte Alltagskompetenz bescheinigt wird (z. B. durch Demenz), sowie der Pflegestufe 2, wenn die Ursachen für die Pflegebedürftigkeit ausschließlich körperlicher Natur sind.

Voraussetzungen für Pflegegrad 3

Eine Verbesserung der Anrechnung der Pflegebedürftigkeit zeigt sich mit dem Inkrafttreten der Pflegereform vor allem für Patienten, die trotz eingeschränkter Alltagskompetenz unter die erste Pflegestufe fielen. Sie erhalten in der Kombination einer leichten körperlichen sowie einer erwiesenen geistigen Beeinträchtigung ihrer Alltagskompetenz nun deutlich höhere Leistungen als zuvor.
Um in Pflegestufe 3 eingeordnet zu werden, müssen die Versicherten entsprechend den neuen Beurteilungskriterien eine Gesamtpunktzahl von mindestens 47,5 bis weniger als 70 in insgesamt sechs verschiedenen Kategorien erhalten, die die Alltagskompetenz der Betroffenen hinterfragen und überprüfen. Zuständig für das Abfragen der Fähigkeiten bzw. Defizite der Versicherten ist der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK), der in folgenden sechs Kategorien Punkte vergibt:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Die Zahl der Punkte, die in jeder der Kategorien vergeben wird, richtet sich nach den verbleibenden Fähigkeiten der Patienten. Je weniger sie noch ohne Unterstützung durch mindestens eine weitere Person leisten können, desto höher die Punktzahl. Aus der Gesamtzahl aller Kategorien errechnet die Pflegeversicherung, welchem Pflegegrad ein Versicherter zugeteilt wird und welche Leistungen er dementsprechend erhalten kann.
Mit 47,5 bis unter 70 Punkten besitzen Pflegebedürftige des Pflegegrads 3 eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“. Schwere motorische Beeinträchtigungen wie etwa Teil-Lähmungen von Gliedmaßen, Rückenmarkserkrankungen oder multiple Sklerose sind körperliche Erkrankungen, bei denen in der Regel Pflegegrad 3 gewährt wird, sofern nicht eine zusätzliche Einschränkung der Alltagskompetenz vorliegt. Die Patienten sind geistig noch fit, können sich aber ohne Hilfsmittel kaum fortbewegen. Handelt es sich beim Krankheitsbild des Patienten nur um eine geringe mobile Einschränkung, die aber in Kombination mit einer geistigen Behinderung oder einer Demenzerkrankung auftritt, wird der Patient ebenfalls in Pflegegrad 3 eingestuft.

Anspruch und Leistungen des Pflegegrads 3

Sind die oben beschriebenen Voraussetzungen für Pflegegrad 3 erfüllt, erhalten die Betroffenen von der Pflegeversicherung die Leistungen, die für diesen Grad der Pflegebedürftigkeit vorgesehen sind. Diese setzen sich aus einem monatlichen Pflegegeld sowie Pflegesachleistungen, die einzeln oder in Kombination beantragt werden können. Werden sowohl Pflegegeld als auch Pflegesachleistungen bewilligt, erfolgt zumeist eine Anpassung im Bereich des Pflegegelds.
Stellen Pflegebedürftige nach dem 01. Januar 2017 einen ersten Antrag auf einen Pflegegrad, erfolgt in den Wochen nach der Antragstellung eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, woraufhin die Pflegeversicherung die Einstufung vornimmt. Patienten, die vor Ende 2016 bereits in Pflegestufe 1 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) oder Pflegestufe 2 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) waren, werden mit dem Jahreswechsel automatisch in den Pflegegrad 3 übergeleitet und müssen keine Handlung vornehmen, um die angepassten Leistungen zu erhalten.
Mit der zunehmenden Einschränkung der Fähigkeiten, die Grundversorgung und die Gestaltung des Alltags zu gewährleisten, steigen die täglichen Anforderungen an die Pflege. Personen, die in erster Linie körperlich eingeschränkt sind, benötigen Hilfe beim Aufstehen, bei der Körperpflege, beim Gehen und Stehen sowie bei der Nahrungsaufnahme. Geistig beeinträchtigte Personen dagegen können diese Tätigkeiten rein körperlich noch leisten, sind aber auf eine detaillierte Anleitung durch einen Angehörigen oder geschultes Pflegepersonal angewiesen, die ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen kann.
Wohnt der Betroffene noch zu Hause und wird durch einen oder mehrere Angehörige unterstützt, erhält er im Pflegegrad 3 ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 545 Euro. Dieser Satz ist deutlich höher als die Leistungen der ehemaligen Pflegestufen 1 und 2. Wird die Pflege dagegen durch einen ambulanten Pflegedienst geleistet, haben die Patienten einen Anspruch auf Pflegesachleistungen in Höhe von 1.298 Euro im Monat. Auch dieser Betrag ist höher als vor der Pflegereform, die den Ansatz verfolgt, dass kein Patient schlechter gestellt werden soll als zuvor. Pflegesachleistungen werden in der Regel jedoch nicht an den Pflegebedürftigen ausgezahlt, sondern mit dem betreuenden Pflegedienst verrechnet. Darüber hinaus haben Pflegebedürftige des Pflegegrads 3 Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von monatlich 125 Euro, die z. B. für eine Haushaltshilfe oder den Besuch einer Betreuungseinrichtung eingesetzt werden können.

Weitere Leistungen des Pflegegrads 3

Die grundsätzlichen Leistungen, die Patienten des Pflegegrads 3 erhalten, können durch weitere Leistungen ergänzt werden. Diese müssen jeweils beantragt werden und werden von der Pflegeversicherung je nach Einzelfall bewertet und entsprechend bewilligt. Hierunter fallen die Kurzzeitpflege, die Verhinderungspflege, die Tages- oder Nachtpflege sowie die stationäre Pflege.
Muss ein Pflegebedürftiger kurzzeitig in einer stationären Einrichtung untergebracht werden oder ist der Angehörige, der die Pflege übernommen hat, verreist, können die Betroffenen Zuschüsse in Höhe von je 1.612 Euro für maximal 28 Tage im Jahr beantragen. Eine teilstationäre Pflege in Form von Tages- oder Nachtpflege wird mit monatlich 1.298 Euro bezuschusst. Zudem erhalten die Pflegebedürftigen monatliche Zuschüsse für die vollstationäre Pflege oder können Mittel für den barrierefreien Umbau der eigenen Wohnung beantragen.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Pflegegrad 4

Pflegegrad 4 wird als schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit definiert. Patienten aus den bisherigen Pflegestufen 3 oder 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) werden automatisch in den neuen Pflegegrad 4 übernommen.
Zum 01. Januar 2017 ist das System der Pflegeversicherungen, nach dem pflegebedürftige Patienten einer bestimmten Pflegestufe zugeteilt werden, umgestellt worden. Statt der bislang gültigen Pflegestufen 1 bis 3 gelten nun sogenannte Pflegegrade, ein 5-stufiges System, das anders als das Vorgängermodell auch geistige Beeinträchtigungen in die Bewertung der Pflegebedürftigkeit mit aufnimmt. Unter Pflegebedürftigkeit versteht man die zunehmende Einschränkung der Fähigkeiten, seinen Alltag eigenständig zu gestalten und beispielsweise die eigene Grundversorgung aufgrund von körperlichen oder geistigen Krankheiten nicht mehr gewährleisten zu können. Vor allem Patienten, die unter einer Demenzerkrankung oder einer anderen geistigen Erkrankung leiden, profitieren mit der Änderung der Pflegereform von höheren Sätzen. Wer bereits vor Ende 2016 Leistungen der Pflegestufen 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) oder 3 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) erhalten hat, wird mit dem Wechsel automatisch in Pflegegrad 4 übergeleitet.
Um in Pflegegrad 4 eingestuft zu werden, ist es notwendig, dass die Versicherten eine „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ aufweisen, also rund um die Uhr auf Hilfe durch eine Pflegefachkraft oder einen pflegenden Angehörigen angewiesen sind. Eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) hilft der Pflegeversicherung dabei, die Patienten einzustufen.

Voraussetzungen für Pflegegrad 4

Die Umstellung auf Pflegegrade im Zuge der Pflegereform verfolgt das Ziel, dass nicht nur pflegebedürftige Patienten mit körperlichen Erkrankungen, sondern auch und insbesondere Versicherte mit einer geistigen Erkrankung wie etwa Demenz oder geistigen Behinderungen von den Leistungen der Pflegeversicherung profitieren. Anhand des „Neuen Begutachtungsassessments (NBA)“, das im Rahmen der sogenannten Pflegestärkungsgesetze erarbeitet wurde, legen bestimmte Kriterien fest, welchen Pflegegrad ein pflegebedürftiger Patient erhält.
In insgesamt sechs Kategorien, die die Grundpflege sowie die Kompetenz der Alltagsbewältigung umfassen, vergeben die Gutachter des MDK Punkte und errechnen nach einem fest vorgegebenen Punktesystem den jeweiligen Grad der Pflegeleistungen. Folgende sechs Bereiche werden überprüft und begutachtet, um eine Einschätzung über die verbleidende Selbstständigkeit des Patienten zu ermitteln, wobei desto mehr Punkte vergeben werden, je weniger der Patient sich noch selbst versorgen kann:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Mit einer Gesamtpunktzahl von mindestens 70 und maximal unter 90 erhalten die Versicherten Pflegegrad 4, der als „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ definiert wird. Vor allem bei körperlichen Erkrankungen sind die Patienten rund um die Uhr auf Pflege angewiesen, während sich eine Demenzerkrankung im fortgeschrittenen Stadium befinden muss oder kombiniert mit körperlichen Einschränkungen auftritt.

Anspruch und Leistungen des Pflegegrads 4

Die Einstufung in den Pflegegrad 4 kann in zwei verschiedenen Fällen bzw. einer Kombination dieser erfolgen. Patienten, die keinerlei kognitive Einschränkungen, die mit einer Beeinträchtigung der Alltagskompetenz einhergehen, aufweisen, können bei entsprechenden körperlichen Einschränkungen ebenso Pflegegrad 4 erhalten wie Versicherte, die körperlich weniger beeinträchtigt sind, aber eine geistige oder psychische Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium haben. Liegt keine Einschränkung der Alltagskompetenz vor, sind Patienten des Pflegegrads 4 in der Regel rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Eine fortgeschrittene Multiple Sklerose, eine Querschnittslähmung, aber auch hohes Alter mit einer entsprechenden körperlichen Schwächung können Ursachen sein, die den Pflegegrad 4 erforderlich machen. Im kognitiven Bereich kann eine fortgeschrittene Demenz- oder Alzheimererkrankung die Einstufung in Pflegegrad 4 bedingen, aber auch eine leichtere geistige Beeinträchtigung in Kombination mit einer erheblichen körperlichen Beeinträchtigung.
Stellt der Gutachter des MDK bei der Begutachtung des Patienten eine Gesamtpunktzahl von 70 bis unter 90 fest, wird der Versicherte in Pflegegrad 4 eingestuft und erhält die entsprechenden Leistungssätze für Pflegesachleistungen sowie ein monatliches Pflegegeld. Eine Einstufung in Pflegegrad 4 erfolgt nach dem 01. Januar 2017 ebenfalls für Versicherte, die bereits vor Ende 2016 Leistungen der Pflegestufen 2 bzw. 3 erhalten haben. Die Betreuung des Patienten erfolgt häufig durch einen Angehörigen und kann bei bestimmten Verrichtungen der Grundpflege durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützt werden. Sowohl am Tag als auch in der Nacht sollte bei Personen mit Pflegegrad 4 eine Betreuungsperson anwesend sein.
Die Leistungen, die Pflegebedürftige des Pflegegrads 4 von der Pflegeversicherung erhalten, sollen dem täglichen Aufwand der Pflege entsprechen. Diese ist durch die stark beeinträchtigte Selbstständigkeit der Patienten nicht unerheblich, weshalb die Leistungssätze sich deutlich von den darunter liegenden Pflegegraden absetzen. Die Pflegereform verfolgt dabei den Anspruch, dass kein Patient mit der neuen Regelung schlechter gestellt werden soll als zuvor – Versicherte, die bereits vor 2017 Leistungen erhielten, sollen mindestens dasselbe, wenn nicht mehr erhalten.
Das monatliche Pflegegeld, das für die Pflege und Betreuung durch Angehörige oder Bekannte eingesetzt wird, beträgt im Pflegegrad 4 monatlich 728 Euro. Zuvor lag der Satz bei ebenfalls 728 Euro für Pflegestufe 3 sowie deutlich geringeren 545 Euro für Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz. Für Pflegesachleistungen, also beispielsweise den Einsatz eines ambulanten Pflegedienstes, sieht Pflegegrad 4 Leistungen in Höhe von monatlich 1.612 Euro vor, die für die Pflege, aber auch Betreuung oder eine Unterstützung bei hauswirtschaftlichen Aufgaben eingesetzt werden können.
Wird die Pflege des Patienten durch einen Pflegedienst mit der Betreuung durch Angehörige kombiniert, ist es bis zu einem bestimmten Betrag möglich, aus beiden Töpfen Leistungen zu erhalten. So können, falls die Pflegesachleistungen nicht vollständig beansprucht werden, bis zu 644,80 Euro für weitere Betreuungsleistungen beantragt werden.

Weitere Leistungen des Pflegegrads 4

Wie auch bei den niedrigeren Pflegegraden können Patienten des Pflegegrads 4 weitere Leistungen wie etwa den allgemeinen Entlastungsbeitrag in Höhe von monatlich 125 Euro beantragen, der beispielsweise eine Teilnahme an Betreuungsgruppen, eine Haushaltshilfe oder einen Alltagsbegleiter finanzieren kann.
Darüber hinaus erhalten Versicherte mit Pflegegrad 4 Leistungen für die Kurzzeitpflege, die Verhinderungspflege sowie die Teilstationäre Pflege. Auch die Pflege in einem Pflegeheim wird mit bis zu 1.775 Euro im Monat bezuschusst. Weitere Leistungen – bei häuslicher Pflege – umfassen Gelder für die barrierefreie Anpassung des Wohnraums, medizinische Hilfsmittel sowie regelmäßige, kostenlose Beratungs- und Betreuungsbesuche.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Pflegegrad 5

Wer auf eine Pflege mit außergewöhnlich hohem Pflegeaufwand angewiesen ist, wird seit Januar 2017 in Pflegegrad 5 eingestuft. Dieser steht für „Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“.
Zum Jahresbeginn 2017 wurde das Pflegestufensystem der Pflegeversicherungen im Zuge der sogenannten Pflegereform neu geordnet und in ein System aus insgesamt fünf Pflegegraden übergeleitet. Im Zentrum der Pflegereform stehen die Pflegestärkungsgesetze, die dafür sorgen wollen, dass kein Patient mit der Umstellung weniger Leistungen erhält: Vielmehr sollen die Versicherten mindestens dieselben Leistungen erhalten. Vor allem aber profitieren Versicherte mit eingeschränkter Alltagskompetenz, also einer kognitiven Einschränkung, von den neuen, stärker differenzierten Pflegegraden. Statt der sogenannten „Minutenpflege“, die bis Ende 2016 ausschlaggebend für die Zuteilung einer Pflegestufe war, regelt ein neuer Kriterienkatalog, welche Leistungen Versicherte bei entsprechendem Mangel an Fähigkeiten der Selbstversorgung erhalten sollen.
Pflegegrad 5 ist laut der Pflegereform der höchste Pflegegrad. Er wird definiert als „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung“. Versicherte, die bis Ende 2016 unter die Pflegestufe 3 mit Härtefallregelung bzw. mit eingeschränkter Alltagskompetenz fielen, entsprechen dieser neuen Stufe der Pflegebedürftigkeit. Im Hinblick auf die Höhe der Versicherungsleistungen für die Pflege wird hier jedoch nicht mehr zwischen Menschen mit bzw. ohne kognitive Einschränkungen unterschieden.

Voraussetzungen für Pflegegrad 5

Um die Einstufung in Pflegegrad 5 zu erhalten, müssen Patienten eine deutliche Pflegebedürftigkeit aufweisen und rund um die Uhr auf eine Pflege angewiesen sein, die besondere Anforderungen an die pflegenden Personen stellt. Dazu gehört beispielsweise, dass die Grundpflege, die etwa die Körperpflege sowie die Nahrungsaufnahme umfasst, komplett übernommen werden muss. Neben Hilfestellungen bei Alltagsverrichtungen sind die Betroffenen auch auf psychosoziale Unterstützung angewiesen, da sie häufig keine eigenen körperlichen und/oder kognitiven Aktivitäten mehr durchführen können.
Die Einstufung der Pflegegrade erfolgt nach einem Punktesystem von insgesamt maximal 100 möglichen Punkten. Mindestens 90 Punkte sind notwendig, um in Pflegegrad 5 eingeordnet zu werden. Dabei begutachtet ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) die noch vorhandenen Fähigkeiten des Patienten in sechs unterschiedlichen Bereichen des alltäglichen Lebens:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Je weniger der Patient sich in den einzelnen Bereichen noch selbst versorgen kann oder zur eigenständigen Gestaltung seines Alltags in der Lage ist, desto mehr Punkte werden in der jeweiligen Kategorie vergeben. Mit einer Gesamtpunktzahl von mindestens 90 bis zur maximal erreichbaren Punktzahl von 100 wird dem Versicherten von der Pflegeversicherung Pflegegrad 5 zuerkannt. Ursachen für die nicht mehr vorhandene Eigenständigkeit kann eine fortgeschrittene Demenz- oder Alzheimererkrankung sein, die durch starke körperliche Beeinträchtigungen begleitet wird. In der Regel sind Patienten des Pflegegrads 5 nicht mehr in der Lage zu gehen oder zu stehen, können ohne Hilfe keine Nahrung aufnehmen und sind häufig bettlägerig.
Die Einstufung nach den Kriterien des „Neuen Begutachtungsassessments (NBA)“ durch den MDK ist für Patienten verpflichtend, die nach dem 01. Januar 2017 einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit stellen. Wer bereits vor 2017 Leistungen der Pflegestufe 3 mit anerkannter Einschränkung der Alltagskompetenz oder mit der sogenannten Härtefallregelung erhalten hat, wird automatisch in den neuen Pflegegrad 5 übergeleitet, ohne dass eine weitere Begutachtung erfolgt. Im Rahmen der Pflegereform sollen ihre Leistungen keinesfalls gekürzt, sondern unter Umständen sogar erhöht werden.

Anspruch und Leistungen des Pflegegrads 5

Der Anspruch auf die Leistungen des Pflegegrads 5 wird dann von der Pflegeversicherung zuerkannt, wenn die beschriebenen Voraussetzungen nach dem NBA erfüllt und die notwendigen 90 bis 100 Punkte erreicht werden. Die Patienten erhalten ein monatliches Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen für die Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes, der am Tage bei Alltagsverrichtungen und der Grundpflege hilft, unter Umständen einen nächtlichen Hilfebedarf abdeckt und die Patienten beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen, wie etwa dem Stellen und der Einnahme von Medikamenten, unterstützt. Die Einschränkungen des Patienten mit Pflegegrad 5 erfordern, dass rund um die Uhr eine Pflegekraft oder ein Angehöriger anwesend ist, zudem ist mindestens drei Mal in der Nacht Hilfe notwendig.
Aufgrund der starken Angewiesenheit auf Hilfe sind die Leistungen der Pflegekassen für einen Patienten mit Pflegegrad 5 verhältnismäßig umfangreich. Die Leistungen, die im Einzelnen beantragt werden können, werden in Form eines monatlichen Pflegegelds oder von Pflegesachleistungen ausgezahlt. Das Pflegegeld wird eingesetzt, um den zeitlichen Aufwand von Angehörigen und Bekannten, die die Pflege übernehmen, auszugleichen. Erfolgt die Pflege durch einen professionellen Pflegedienst, werden die sogenannten Pflegesachleistungen der Pflegekasse direkt mit dem jeweiligen Pflegedienst verrechnet, der zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten anwesend ist und den Patienten unterstützt.
Die Höhe des Pflegegelds beläuft sich auf monatlich 901 Euro (im Vergleich dazu erhielten Patienten der Pflegestufe 3 zuvor lediglich monatlich 728 Euro). Die Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes wird mit monatlich 1.995 Euro bezuschusst (zuvor lagen die Leistungen bei ebenfalls 1.995 Euro bei Pflegestufe 3 mit Härtefallregelung sowie 1.612 Euro bei Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz). Darüber hinaus erhalten die Betroffenen einen sogenannten Entlastungsbeitrag in Höhe von monatlich 125 Euro, um z. B. eine Haushaltshilfe einzustellen oder einen Alltagsbegleiter zu engagieren, der dem Patienten vorliest, ihn zu Spaziergängen begleitet oder die Einkäufe erledigt.
Pflegegeld und Pflegesachleistungen können außerdem miteinander kombiniert werden, allerdings nur, wenn die Pflegesachleistungen nicht vollständig ausgeschöpft werden. Maximal 798 Euro können monatlich ergänzend beantragt werden, wenn sich ein Angehöriger und ein Pflegedienst die Pflege teilen.

Weitere Leistungen des Pflegegrads 5

Über die Entlastungsleistungen hinaus können Patienten mit Pflegegrad 5 weitere Leistungen in Anspruch nehmen, wenn etwa der pflegende Angehörige verhindert ist oder nach einem Krankenhausaufenthalt übergangsweise eine stationäre Pflege notwendig ist. Sowohl Kurzzeit- als auch Verhinderungspflege sind mit 1.612 Euro für bis zu 28 Tage im Jahr vorgesehen. Auch die vollstationäre Pflege wird bezuschusst, und zwar mit monatlich 2.005 Euro.
Lebt der Versicherte noch zuhause oder wird im häuslichen Umfeld eines Angehörigen betreut, können die Pflegekassen Leistungen für medizinische Hilfsmittel oder die barrierefreie Anpassung des Wohnraums bereitstellen. Zudem haben die Patienten Anspruch auf kostenlose Beratungs- und Betreuungsbesuche.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Wie man erfolgreich einen Pflegegrad beantragt

Nach einem kurzen Anruf bei Ihrer Pflegekasse, wird man Ihnen einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung zusenden. Füllen Sie diesen gewissenhaft und mit korrekten Angaben aus. Nach Eingang Ihres Antrags bei der Krankenversicherung, startet der wichtigste Schritt zu Ihrem Pflegegrad – die Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen).
Bereiten Sie sich mit einer Vielzahl an ärztlichen und pflegerischen Dokumenten und Befunden auf den Termin des Gutachters vor. In der Begutachtung wird aus den sechs Modulen des sogenannten Neuen-Begutachtungsassessments (kurz NBA) Ihre Pflegebedürftigkeit anhand eines Punktesystems ermittelt. Aus diesen Punkten ergibt sich Ihr Pflegegrad.

Natürlich wissen wir von Dr.Weigl & Partner um die Schwierigkeiten bei solchen Anträgen. Komplizierte Dokumente, mangelnde Vorbereitung auf den MDK Termin durch Unkenntnis oder Nervosität bei der Begutachtung können das Ergebnis verschlechtern oder gar zur Ablehnung führen.

Gerne stehen wir Ihnen beratend zur Seite oder helfen Ihnen vor Ort mit einem unserer Pflegeexperten durch den gesamten Prozess.

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2018-01-10T13:32:32+00:00
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