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Altern Senilität

Pflegebedürftigkeit kann plötzlich auftreten oder sich lange ankündigen. Für die Betroffenen und ihre Familien ist es eine schwere Situation, die viele Entscheidungen erfordert – und auch emotional belastend sein kann.

Altern und Senilität in der Pflege

3,3 Millionen Menschen erhielten Ende 2017 Leistungen der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung. 3,3 Millionen – das sind auch 3,3 Millionen Einzelschicksale, die die betroffenen Familien vor große Herausforderungen stellen. Manchmal kündigt sich der Pflegebedarf schon länger an, eine stetige Verschlechterung des Gesundheitszustandes macht die Beantragung eines Pflegerades dann irgendwann unumgänglich. Und in einigen Fällen tritt der Pflegebedarf auch plötzlich und unerwartet auf, zum Beispiel nach einem Unfall, einem Sturz oder einem Schlaganfall – oft ein Schock für die Patienten und ihre Angehörigen.

Die Prognosen sind deutlich: Deutschland wird immer älter, die Alterspyramide verschiebt sich weiter. Und je älter jemand wird, desto wahrscheinlicher ist auch der Pflegebedarf. Das heißt, in Zukunft wird es noch mehr Menschen geben, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis ins Jahr 2030 auf über 4 Millionen steigen. Gleichzeitig fehlt es in Pflegeheimen, Einrichtungen und Krankenhäusern an professionellem Pflegepersonal. Noch immer wird aber ein Großteil der Pflegebedürftigen zu Hause von den Angehörigen gepflegt – eine immense Leistung.

Besonders schwer ist es, zu akzeptieren, dass man älter und weniger leistungsfähig wird. Die Einsicht, dass der letzte Lebensabschnitt begonnen hat, kann psychisch sehr schwer sein. Und ebenso schwer ist es für die Familien zu sehen, wie Großeltern, Mütter und Väter schwächer werden.

Altersschwäche

Bis ins hohe Alter fit und gesund zu sein, das ist ein Wunsch, den fast alle Menschen in sich tragen. Tatsächlich macht es die moderne Medizin möglich, dass immer mehr Ältere lange Zeit selbstständig in ihren eigenen vier Wänden leben können.

Und doch sind viele Pflegebedürftige auf externe Unterstützung angewiesen. Der Begriff der Altersschwäche  (Marasmus senilis) bezeichnet einen natürlichen Alterungsprozess, der stetig fortschreitend und auch stärker wird.

Die verschiedensten Bereiche können eine Hilfe nötig machen. Die Situation individuell zu fassen, ist das Ziel, wenn ein möglicher Pflegebedarf untersucht werden soll. Sechs Bereiche des Alltags werden dabei besonders in den Blick genommen:

  • Mobilität: Ist die selbstständige Fortbewegung in der eigenen Wohnung möglich, können auch die täglichen Wege, zum Beispiel zum Supermarkt, bewältigt werden? Bereitet das Treppensteigen Probleme?
  • Psyche: Hat ein Patient seelische oder psychische Probleme? Ist er ängstlich oder aggressiv, ist professionelle Hilfe hier nötig?
  • Kognition und Kommunikation: Ist die räumliche, örtliche und zeitliche Orientierung jederzeit gegeben? Werden Entscheidungen rational getroffen? Ist die Kommunikation eingeschränkt?
  • Selbstversorgung: Sind die Bereiche Körperpflege, Nahrungsaufnahme, An- und Auskleiden betroffen oder können diese Aufgaben noch selbstständig bewältigt werden?
  • Umgang mit Krankheit und Belastung: Ist Hilfe bei Arztbesuchen, der Einnahme von Medikamenten oder sonstigen Herausforderungen der täglichen Pflege nötig? Benötigt der Betroffene Unterstützung beim Umgang mit der Erkrankung?
  • Alltag und Sozialleben: Wird der Alltag noch selbstständig geplant, werden soziale Kontakte gepflegt?

Kognitive Fähigkeiten im Alter

Vor allem der Verlust kognitiver Fähigkeiten ist oft schwer zu akzeptieren – für die Betroffenen selbst wie auch für ihre Familien. Bei der Senilität handelt es sich um einen Zustand der Demenz, unterschiedliche körperliche Bereiche und Funktionen können davon betroffen sein, vor allem gehen aber Erinnerungen und Gedächtnisleistung verloren. Unterschieden wird zwischen der präsenilen Demenz bei Erkrankten unter 65 Jahren und der senilen Demenz bei Patienten, die 65 Jahre und älter sind. Es handelt sich um eine nicht heilbare Krankheit.

Da Senilität meist langsam und schleichend auftritt, wird sie zu Anfang häufig nicht erkannt. Die zunehmende Gedächtnisschwäche wird oftmals zunächst nur als Vergesslichkeit abgetan. Die Früherkennung ist äußerst schwierig, auch die Ursachen sind noch nicht komplett erforscht. Es ist nicht selten, dass bereits Jahre vergangen sind, in denen es zu unbemerkten Veränderungen in den Strukturen des Gehirns gekommen ist, bis die Diagnose korrekt gestellt wurde.

Vor allem die psychische Belastung ist hoch. Nicht nur die Betroffenen selbst verlieren ihre kognitiven Fähigkeiten, ihr Gedächtnis, eventuell ihre Sprache und ihre Erinnerungen. Auch die Angehörigen verlieren Stück für Stück ein Familienmitglied. Es ist schwer, zu akzeptieren, dass der Verlauf der Krankheit zwar positiv beeinflusst werden kann, aber es nicht zu einer Heilung kommen wird.

Pflegebedarf und Pflegegrad

2017 wurde eine umfangreiche Pflegereform durchgeführt, in Zuge dessen kam es auch zu einer Neudefinition des Pflegebegriffs. Nun sind es nicht nur körperliche Erkrankungen, die die Vergabe eines Pflegegrades möglich machen. Es werden auch geistige oder seelische Einschränkungen betrachtet, das ist gerade bei senilen und dementen Personen eine echte Erleichterung. Denn mit einem Pflegegrad gehen Leistungen der Pflegeversicherung einher, die den Alltag enorm  verbessern können.

Bis 2017 gab es drei Pflegestufen, die abhängig vom täglichen Zeitaufwand, der für die Pflege angefallen ist, vergeben wurden. Aktuell sind es fünf Pflegegrade, der Fokus liegt nun auf dem Grad der Selbstständigkeit.

Der Antrag auf einen Pflegegrad kann formlos erfolgen, telefonisch oder per Brief. Dabei macht es Sinn, sich intensiv vorzubereiten, eventuell ein Pflegetagebuch zu führen und den konkreten Pflegebedarf selbst richtig einzuschätzen. Im Rahmen des „Neuen Begutachtungsassessments“ wird dann jeder Fall individuell betrachtet.

2018-07-16T15:20:43+00:00
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