Inkontinenz

Die Inkontinenz berührt einen sehr persönlichen und intimen Bereich des Lebens. In der Pflege sind neben den richtigen Pflegehilfsmitteln daher Taktgefühl und Einfühlungsvermögen von besonderer Wichtigkeit.

Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Inkontinenz

Inkontinenz steht in keiner Weise in einem Zusammenhang mit der Persönlichkeit oder dem Charakter eines Menschen. In der Regel geht sie auf muskuläre, nervliche oder organische Ursachen zurück und kann medizinisch behandelt werden. Weil den meisten Menschen das Thema aber peinlich oder unangenehm ist, versuchen Betroffene den Umstand, dass sie Körperflüssigkeiten nicht mehr halten können, oftmals lange zu verheimlichen.

Der Alltag mit einer Person, die an Inkontinenz leidet, kann für beide Seiten – sowohl die Betroffenen selbst als auch für pflegende oder betreuende Personen – sehr unangenehm sein. Die Fähigkeit, offen auch über intime Themen kommunizieren zu können, sowie Einfühlungsvermögen und Taktgefühl helfen dabei, die Situation zu entschärfen und für alle Seiten so angenehm wie möglich zu gestalten.

Mit einfachen Maßnahmen, griffbereiten Pflegehilfsmitteln und einer entsprechenden medizinischen Therapie kann die Inkontinenz-Pflege zu einem weitgehend normalen Teil des Alltags werden. Pflegepersonen sollten sich zudem damit vertraut machen, dass die Hautpflege bei Inkontinenz eine besonders wichtige Rolle spielt.

Was ist Inkontinenz?

Für gesunde Menschen ist es vollkommen normal, zur Toilette zu gehen und Blase oder Darm kontrolliert zu entleeren, und zwar nur dann, wenn sie auch wirklich „müssen“. Für Menschen aber, die an Inkontinenz leiden, ist dieser Zustand fernab von jeder Realität. Als Inkontinenz bezeichnet man in der Medizin und Pflege den Umstand, dass Harn oder Stuhl nicht mehr gehalten und kontrolliert abgegeben werden können. Man unterscheidet deshalb zwischen Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Harninkontinenz bzw. Blasenschwäche kommt vor allem bei älteren Menschen häufiger vor als Stuhlinkontinenz. Oftmals wird sie von nächtlicher Unruhe, Schmerzen in der Blase oder ständigem Harndrang begleitet.

Ursachen für eine Inkontinenz gibt es viele, und nicht immer ist eine konkrete Erkrankung dafür verantwortlich. Das Halten und Abgeben von Harn und Stuhl funktioniert über ein komplexes System aus Blasenmuskulatur, Beckenbodenmuskulatur und Schließmuskeln. Dieses System ist bei Inkontinenz nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr funktionsfähig, beispielsweise aufgrund einer organischen Ursache oder weil die Signalübertragung der zuständigen Nerven gestört ist.

Weil es vielen Betroffenen peinlich ist, dass sie zu einem so „normalen“ körperlichen Vorgang nicht mehr in der Lage sind, verschweigen sie ihren Zustand sowohl vor Angehörigen als auch vor Medizinern. Ein Gespräch mit dem Hausarzt kann jedoch viele Sorgen, die im Zusammenhang mit Inkontinenz entstehen, nehmen und eine geeignete Therapie einleiten. Mögliche Therapieansätze sind beispielsweise Beckenbodentraining, um die Muskulatur wieder aufzubauen, oder eine Elektrotherapie, bei der die Beckenmuskeln durch elektrische (schmerzlose) Impulse trainiert werden.

Wie wirkt sich Inkontinenz auf die Pflege aus?

Der wohl wichtigste Aspekt der Inkontinenz-Pflege ist, einen möglichst normalen Zugang zu und Umgang mit diesem intimen Thema zu finden. Wenn der Pflegebedürftige der Pflegeperson (sei es ein pflegender Angehöriger oder ein ambulanter Pflegedienstmitarbeiter) vertraut und das Thema seine Peinlichkeit verliert, ist bereits viel gewonnen. Mit Einfühlungsvermögen und Taktgefühl kann es der Pflegeperson gelingen, die Inkontinenz zu einem Teil des Alltags zu machen, der nicht ungewöhnlicher ist als die allgemeine Körperpflege oder das Zähneputzen.

Darüber hinaus können in der Pflege therapeutische Maßnahmen und sogenannte Pflegehilfsmittel zum Einsatz kommen. Zu den therapeutischen Maßnahmen, die zuhause durchgeführt werden können, zählen u. a. feste Toilettenzeiten, auf den Alltag angepasste Trinkmengen und eine geeignete Getränkeauswahl, aber auch die regelmäßige Durchführung eines Beckenbodentrainings. Darüber hinaus kann der behandelnde Arzt unter Umständen Medikamente verschreiben, die den Harndrang einschränken. Um die Pflege zu erleichtern, auch wenn einmal ein Missgeschick passiert, sollten stets Pflegehilfsmittel wie Windeln für Erwachsene, Einmalschlüpfer mit enthaltener Vorlage oder Inkontinenzslips sowie frische Unterwäsche bereitliegen. Für die Nacht gibt es saugfähige Unterlagen, die zwischen Matratze und Bettlaken gelegt werden können.

Haut- und Körperpflege bei Inkontinenz

Die Haut von Inkontinenz-Patienten ist besonders sensibel und anfällig für Irritationen und Schädigungen. Einerseits sorgt die immer wieder auftretende Feuchtigkeit für Irritationen, andererseits kann auch der Einsatz von Windelhosen oder Inkontinenzslips die natürliche Barrierefunktion der Haut stören. Auch ungeeignete Produkte, die beim Waschen verwendet werden, können Hauterkrankungen hervorrufen, wenn die Haut ihren natürlichen Schutz nicht aufrechterhalten kann.

Regelmäßiges Waschen der betroffenen Stellen gehört bei Inkontinenz ebenso dazu wie die grundlegende Körperpflege am Morgen und am Abend. Die Stellen, die mit Urin oder Stuhl in Kontakt gekommen sind, sollten mehrmals täglich mit klarem Wasser gewaschen und gereinigt werden. Spezielle, ph-neutrale Waschlotionen, Öle, Emulsionen oder Pflegeschaum schonen die empfindliche Haut und sorgen für eine sanfte Reinigung. Auch beim Abtrocknen sollte schonend vorgegangen und beispielsweise nicht über empfindliche Hautpartien gerubbelt werden. Zum Schutz der Haut können zusätzlich schnell einziehende Wasser-in-Öl-Emulsionen oder -Cremes eingesetzt werden, die nicht die Saugfähigkeit von Einlagen oder Einmalslips beeinträchtigen.

Einfache Maßnahmen, die in der Inkontinenz-Pflege angewendet werden können

Um die Situation für den Pflegebedürftigen nicht unangenehmer zu machen, als sie schon von Grund auf ist, fällt der Pflegeperson die Aufgabe zu, ihm den Gang zur Toilette so einfach zu machen wie möglich. Kleidungsstücke, die sich schnell öffnen oder herunterziehen lassen, sind dabei ebenso hilfreich wie ein Toilettenstuhl an einem Ort in der Wohnung, der schnell von überall erreicht werden kann. Auf diese Weise lässt sich ein Malheur leicht vermeiden.

Pflegebedürftige, die nicht mehr so mobil sind, dass sie es schnell zu einem Toilettenstuhl oder zum Badezimmer schaffen, benötigen dagegen andere Hilfsmittel. Infrage kommen in diesem Fall beispielsweise Kondom-Urinale für Männer, ein Katheter oder ein sogenanntes Urostoma, über das die Harnflüssigkeit abfließen kann.

Welcher Pflegegrad bei Inkontinenz?

Ob bei Inkontinenz ein Pflegegrad (ehemals Pflegestufe) bewilligt wird, richtet sich danach, wie sehr die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen dadurch eingeschränkt wird. In der Regel sind es aber andere Erkrankungen, beispielsweise Alzheimer, Prostatakrebs oder Niereninsuffizienz, die mit der Inkontinenz einhergehen und den Ausschlag für einen Pflegegrad geben. Oftmals ist die Blasenschwäche lediglich eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen oder einer allgemeinen Schwächung der Selbstständigkeit im Alter. Bewilligt die Pflegeversicherung einen Pflegegrad, kann die Angabe der Inkontinenz aber u. U. eine Erhöhung der Pflegeleistungen ermöglichen, weil der Pflegebedürftige mehr Betreuung benötigt.

2018-03-20T15:26:35+00:00
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