Corona und Pflegegrad – Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Antrag auf Pflegeleistungen

Die Corona-Krise zieht auch in Deutschland immer weitere Kreise. Nachdem das öffentliche Leben weitestgehend heruntergefahren wurde, gibt es nun auch eine entscheidende Schnittmenge zwischen den Themenfeldern Corona und Pflegegrad. Als direkte Reaktion auf die Pandemie ersetzte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) seine Begutachtungs-termine vor Ort bis auf Weiteres durch Telefoninterviews. Welche Auswirkungen hat dies auf den Pflegegrad Antrag? Wie können Sie sich optimal auf die Telefonbegutachtung vorbereiten? Hier erhalten Sie die Antworten.

Corona und Pflegegrad – Was Sie aktuell beachten müssen, wenn Sie einen Pflegegrad beantragen

Als direkte Reaktion auf die Corona-Krise sah der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) sich zu einer Maßnahme gezwungen, die den Ablauf des Antrags auf Pflegeleistungen entscheidend verändert, und eine Schnittmenge zwischen den Themenfeldern Corona und Pflegegrad schafft.

Wegen der zunehmenden Ausbreitung des Corona-Virus werden die Begutachtungstermine in der Wohnumgebung des Pflegebedürftigen bis auf weiteres ausgesetzt und in der Regel durch eine Telefonbegutachtung ersetzt. Der MDK Nordrhein begründet diese Maßnahme mit dem Schutz der Pflegebedürftigen sowie der eigenen Mitarbeiter vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus. In aller Regel sind die Beobachtungen des Gutachters bei dieser sogenannten „Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit“ von entscheidender Bedeutung für die Einstufung in einen bestimmten Pflegegrad.

Um den individuellen Pflegebedarf zu ermitteln, wird nun eine Telefonbegutachtung mit den Pflegebedürftigen beziehungsweise ihren Bezugspersonen durchgeführt. Diese dient, neben entsprechenden Unterlagen, als Beurteilungsgrundlage. So ist dieses Telefonat von besonderer Bedeutung für die Erteilung eines Pflegegrades.

Erste Erfahrungen deuten an, dass die telefonische Begutachtung besonders herausfordernd ist. Normalerweise kann der Gutachter sehen, ob bzw. wie eingeschränkt ein Pflegebedürftiger ist. Nun muss er sich telefonisch davon überzeugen lassen. Daher ist somit eine besonders gute Vorbereitung unablässig.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Corona und Pflegegrad – Wie Sie sich auf die Telefonbegutachtung mit dem MDK vorbereiten können

Insbesondere bei der Telefonbegutachtung ist eine gründliche Vorbereitung das A und O für einen erfolgreichen Pflegegrad Antrag. Folgende Punkte sollten Sie hier beachten:

  • Tragen Sie alle relevanten Informationen und Dokumente, die zur Verdeutlichung Ihrer Pflegesituation beitragen, zusammen.
  • Kontaktieren Sie Ihre behandelnden Ärzte. Bitten Sie sie um Ihre Krankenakte, Diagnosen, Arztbriefe, Entlassungspapiere aus dem Krankenhaus o.Ä.
  • Für die Dokumentation jeglicher Pflegehandlungen bietet sich das Führen eines Pflegetagebuchs an. Neben den Pflegehandlungen sollten Sie dort auch Beobachtungen über die Selbstständigkeit des Antragstellers festhalten.
  • Erstellen Sie eine Liste über die von Ihnen regelmäßig eingenommenen Medikamente. Halten Sie unbedingt auch die jeweilige Dosierung fest.
  • Sprechen Sie den Termin mit Ihrer Familie, dem beteiligten Pflegedienst, oder unabhängigen Pflegeberatern ab. Ähnlich wie beim MDK Termin vor Ort, sollten Sie auch die Telefonbegutachtung aus den genannten Gründen nicht alleine führen.
  • Im Idealfall haben Sie einen unabhängigen Experten an Ihrer Seite.

Hinweis: Aufgrund der aktuell unübersichtlichen Lage kann nur schwer vorhergesagt werden, wie lange ein Antrag auf Pflegeleistungen zukünftig dauert. Verzögerungen sind nicht auszuschließen. Wir empfehlen, den Antrag möglichst zeitnah einzureichen.

Corona und Pflegegrad – Wie sich die Telefonbegutachtung auf die Einstufung in einen Pflegegrad auswirkt

Da insbesondere Pflegebedürftige aufgrund diverser Vorerkrankungen (COPD, Herzkreislauferkrankungen etc.) besonders anfällig für einen schweren Verlauf der durch das Corona-Virus ausgelösten Lungenerkrankung COVID-19 sein können, ist die Maßnahme des MDK zum Schutz dieser Menschen alternativlos. Praktisch kann eine Telefonbegutachtung die Einstufung in einen korrekten Pflegegrad jedoch erschweren. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Pflegebedürftige etwaige Erkrankungen und Beeinträchtigungen nur unzureichend durch Atteste und Bescheinigungen belegen können oder dem Gutachter generell nicht plausibilisieren können, dass eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Hier ist ein begleitender unabhängiger Pflegesachverständiger natürlich von großem Vorteil, denn er vereinfacht und lenkt die Begutachtung im Sinne des Pflegebedürftigen.

Der Begutachtungstermin des MDK dient in erster Linie der Erfassung der Pflege- und Versorgungssituation vor Ort. Dabei steht im Fokus, wie weit die pflegebedürftige Person ihren Alltag selbstständig bewältigen kann. Zu großen Teilen geschieht dies mithilfe eines standardisierten Fragebogens, dem sogenannten Neuen Begutachtungsassessment (NBA). Mindestens genauso wichtig ist jedoch das Gesamtbild, das sich bei der persönlichen Begutachtung vor Ort ergibt. Ein erfahrener Gutachter kann bestimmte Indizien abseits des Fragebogens erkennen, die für eine Pflegebedürftigkeit sprechen. Dies kann etwa die Körpersprache des Betroffenen sein, oder auch wie sicher sich dieser in seiner Wohnumgebung bewegt. Bei einer Telefonbegutachtung fällt diese Komponente weg, der Gutachter muss sich einzig und allein auf die vorgefertigten Antwortkategorien des NBA verlassen.

Problematisch ist eine Telefonbegutachtung auch dann, wenn die pflegebedürftige Person aufgrund ihrer Einschränkungen nicht dazu in der Lage ist, ein zielführendes Telefonat zu führen. Neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Parkinson können dafür sorgen, dass ein für die Bewertung angemessenes Telefongespräch ohne fremde Hilfe nahezu unmöglich wird.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Corona und Pflegegrad – Dr. Weigl und Partner unterstützt Sie auch jetzt bei Ihrem Antrag auf Pflegeleistungen

Dr. Weigl & Partner unterstützt Sie auch in Zeiten der Corona-Krise. Gerade bei Telefonbegutachtungen ist es wichtig, dass Sie einen Experten an Ihrer Seite haben. Denn eine falsche Formulierung kann bereits dazu führen, dass Sie den falschen Pflegegrad erhalten.

Um Sie auf das Telefonat mit dem MDK vorzubereiten, führt unser Pflegeexperte vorab ein unabhängiges Telefoninterview oder sofern möglich ein Gespräch bei Ihnen zu Hause mit Ihnen durch. Dabei arbeitet er mit Ihnen die Punkte ab, die auch der MDK im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) abfragt. So kann er sich eine unabhängige Meinung bilden, und mit Ihnen gemeinsam die richtige Strategie für die telefonische Befragung entwicklen.

Unsere Pflegeexperten nehmen dann an der Telefonbegutachtung durch den MDK teil. Mit einer entsprechenden Vertretungsvollmacht können Sie das Telefonat sogar komplett in unsere Hände legen.

Der MDK-Begutachter kann sich ohne den Besuch in der Wohnumgebung des Pflegebedürftigen kein eigenes Bild von der Situation vor Ort machen. So muss er sich einzig auf die von den Pflegebedürftigen oder ihren Vertretungspersonen weitergegebenen Informationen verlassen. So können für eine korrekte Einstufung relevante Details im Gespräch schnell zu kurz kommen, oder in der Aufregung schlicht vergessen werden. Dies birgt die Gefahr, dass die Pflegegrad Einstufung nicht korrekt abläuft, und Sie letzten Endes einen Pflegegrad Widerspruch stellen müssen.

Durch unsere Teilnahme am Gespräch können wir diesem Problem effektiv entgegenwirken. Auf Grundlage seiner eigenen Anamnese kann unser Pflegegutachter mit dem Gutachter des MDK fachlich auf Augenhöhe argumentieren, und so Missverständnissen vorbeugen. So stellen wir sicher, dass eine Einstufung in den korrekten Pflegegrad erfolgt, und Sie so die Pflegeleistungen erhalten, die Sie dringend benötigen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Corona und Pflegegrad oder auch bei allen anderen Themen der Pflege

Corona und Pflegegrad – Weitere Auswirkungen der Corona-Krise auf die Pflege

Abgesehen von den beschriebenen Änderungen bei den MDK Begutachtungen gibt es weitere Schutzmaßnahmen, die Berührungspunkte der Themen Corona und Pflege respektive Corona und Pflegegrad innerhalb des Pflegesektors erkennen lassen. Als erstes Bundesland erließ der Freistaat Bayern am 13.März 2020 ein Besuchsverbot für alle Alten- und Pflegeheime. Auf diese Weise versucht die bayerische Landesregierung, die Ansteckungsgefahr für pflegebedürftige Bewohner sowie Pflegepersonal möglichst gering zu halten.

Aus dem selben Grund stellte der MDK auch seinen „Pflege-TÜV“, in dessen Rahmen er regelmäßige Qualitätskontrollen in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen vornimmt, bis mindestens Ende Mai ein.