Das Pflegestufensystem regelt, wie viel Geld kranke oder behinderte Menschen erhalten, die auf Pflege oder Hilfe durch andere angewiesen sind. Ab 2017 gelten statt der drei Pflegestufen neue Pflegegrade.

Die Pflegestufen

Kranke, alte und behinderte Menschen können häufig ihren Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe leben. Vor allem bei der Verrichtung von alltäglichen Grundbedürfnissen wie Körperpflege, Ernährung und Mobilität sowie hauswirtschaftlichen Besorgungen sind sie auf Unterstützung angewiesen. Dieser Zustand wird als Pflegebedürftigkeit bezeichnet: Abhängig davon, wie viel Hilfe die betroffenen Personen benötigen, steigt der Grad ihrer Pflegebedürftigkeit. Drei Pflegestufen bzw. ab 2017 fünf Pflegegrade regeln, wie viel Geld pflegebedürftige Menschen vom Staat erhalten, um für die Pflegekosten aufzukommen.

Gesetzliche Definition der Pflegebedürftigkeit

Die Pflegebedürftigkeit einer Person ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Im Sozialgesetzbuch ist festgeschrieben, nach welchen Bedingungen eine Pflegebedürftigkeit attestiert werden kann. Laut § 14 Abs. 1 SGB XI sind Personen, die „wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer […] in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen“, pflegebedürftig. Ergänzt wird dieser Paragraph durch § 61 SGB II. Die Pflege, die gemäß der einzelnen Pflegestufen gewährt bzw. finanziell ersetzt wird, umfasst die häusliche Pflege, Hilfsmittel für die Pflege, die Kurzzeitpflege, die teilstationäre Pflege sowie die stationäre Pflege.
Der gesetzlichen Bestimmung zufolge muss die Pflegebedürftigkeit durch eine Krankheit oder eine Behinderung ausgelöst worden sein, um als solche anerkannt zu werden. Dazu zählen z. B. Schädigungen des Bewegungsapparates, der inneren Organe oder des zentralen Nervensystems:

  • Verluste, Lähmungen oder andere Störungen der Funktion des Stütz- und Bewegungsapparats
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane
  • Störungen des Zentralnervensystems (z. B. Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen; endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen)

Um in eine der Pflegestufen eingeteilt zu werden, gilt zudem der ärztliche Nachweis als notwendig, dass die Angewiesenheit auf Unterstützung bei den alltäglichen Abläufen dauerhaft ist. Konkret bedeutet das, dass die Pflegebedürftigkeit für mindestens sechs Monate gegeben sein muss.

Die Pflegestufen (0, I, II, III)

Wie schwer die Pflegebedürftigkeit einer kranken oder behinderten Person ausfällt, ist in Form von sogenannten Pflegestufen geregelt. Vier verschiedene Abstufungen legen fest, ob ein Patient Anspruch auf Pflegegeld hat und wie hoch die staatliche Unterstützung ausfällt.
Als Pflegestufe 0 wird ein Zustand beschrieben, der rein rechnerisch nicht in die Pflegestufen hineinfällt. Zwar mag der Patient tatsächlich auf Hilfe bei der Grundpflege und bei der hauswirtschaftlichen Versorgung angewiesen sein, jedoch in einem zu geringen Ausmaß, als dass die Kriterien für die erste Pflegestufe bereits greifen würden. Vor allem Demenzkranke sind von dieser Einstufung betroffen, da sie zwar auf Hilfe angewiesen sind, aber rein körperlich noch dazu in der Lage wären, alltägliche Abläufe eigenständig durchzuführen.
Wird ein Patient in eine der Pflegestufen I, II oder III eingeteilt, erhält er einen staatlichen Zuschuss, um für die Kosten der Pflege aufzukommen. Die Höhe der Erstattung richtet sich zum einen nach der Pflegestufe, und zum anderen danach, ob die pflegende Person ein Angehöriger oder eine professionelle Pflegekraft ist. In welche Gruppe der Patient eingeteilt wird, richtet sich nach dem zeitlichen Aufwand der Pflege:

  • Pflegestufe I: Diese Stufe wird als „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ definiert. Mindestens 90 Minuten müssen täglich für die Unterstützung des Patienten eingeplant werden, mehrmals in der Woche müssen hauswirtschaftliche Erledigungen erfolgen.
  • Pflegestufe II: Hier handelt es sich um eine „schwere Pflegebedürftigkeit“. Der tägliche Zeitaufwand beträgt mindestens 180 Minuten, ergänzt von Einkäufen und anderen hauswirtschaftlichen Aufgaben, die mehrfach in der Woche anstehen.
  • Pflegestufe III: Patienten mit einer „schwersten Pflegebedürftigkeit“ müssen rund um die Uhr, d. h. auch nachts, betreut werden. Mindestens 300 Minuten am Tag werden für die Pflege eingerechnet, mehrmals in der Woche müssen hauswirtschaftliche Besorgungen erledigt werden. Für die Pflegestufe III gibt es eine ergänzende Härtefallregelung, die vorsieht, dass rund um die Uhr eine Pflegeperson zur Verfügung stehen muss.

Ab 2017 gelten neue Gesetze

Seit dem 1. Januar 2017 gelten nicht mehr die drei Pflegestufen, sondern eine Neuausrichtung der Pflegeversicherung, die sich in fünf Pflegegrade aufteilt. Der Grund für die neue Ausrichtung und neue Definition liegt im zunehmenden Anstieg altersbedingter geistiger Krankheiten, die bisher nicht in den Pflegestufen erfasst waren. Vor allem Demenz- und Alzheimer-Patienten können von der neuen Regelung profitieren, da die Aufteilung in fünf Pflegegrade es ermöglicht, die Menschen individueller in den jeweiligen Pflegegrad einteilen zu können.
Grundlage für die Neuerung sind die sogenannten Pflegestärkungsgesetze, die zwischen 2015 und 2017 stufenweise in Kraft getreten sind. Diese sogenannte Pflegereform umfasst zwar eine Erhöhung der Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung, definiert aber den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu.

Die Pflegegrade (1,2,3,4,5)

Die Pflegegrade lösen die Einteilung in Pflegestufen in mehr als nur einer Hinsicht ab. Während die Pflegestufen sich ausschließlich an körperlichen Einschränkungen und Erkrankungen orientieren, nehmen die Pflegegrade auch geistige Defizite wie Demenz und Alzheimer mit in ihre Einstufungskriterien auf. Hier soll es nicht mehr darum gehen, was der Patient theoretisch noch leisten kann, sondern überprüft werden, was er in der praktischen Durchführung des Alltags schafft und was nicht. Anstatt den zeitlichen Pflegeaufwand zu berechnen, stellen die Pflegegrade die körperlichen und geistigen Fähigkeiten in den Fokus der Einstufung:

  • Pflegegrad 1: Der niedrigste Pflegegrad wird bei einer geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit angerechnet. Darin sind eine Grundpflege und eine kleine psychosoziale Unterstützung enthalten.
  • Pflegegrad 2: Die erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, die aber noch keine Einschränkung der Alltagskompetenz mit sich bringt.
  • Pflegegrad 3: Eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Wer zuvor unter die Pflegestufe I oder II fiel, erhält nun höhere Pflegeleistungen.
  • Pflegegrad 4: Auch bei der schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit erhalten Menschen mit Einschränkungen in der Alltagskompetenz höhere Leistungen, um sich die notwendige Pflege leisten zu können.
  • Pflegegrad 5: Die oberste Stufe der Pflegegrade wird als „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“ bezeichnet. Unter diese Definition fallen vor allem solche Patienten, die zuvor der Härtefallregelung zugeordnet waren.
    Die bisherigen Pflegestufen werden im Zuge der Umstellung angepasst. Dabei bleiben die Leistungen mindestens gleichwertig oder verbessern sich.

Pflegestufe 0

Eigentlich zählt die Pflegestufe 0 nach der gesetzlichen Festlegung gar nicht zu den Pflegestufen. Dennoch können Betroffene Leistungen für die häusliche Pflege beziehen.

Anhand der sogenannten Pflegebedürftigkeit wird gemessen, wie viel Pflege ein kranker oder behinderter Mensch täglich bzw. in der Woche benötigt. Ein ausschlaggebender Punkt ist dabei die Kompetenz, den Alltag eigenständig zu bewältigen. Um überhaupt als pflegebedürftig zu gelten, muss dem Patienten vonseiten des behandelnden Arztes eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bescheinigt werden. Ist die eingeschränkte Alltagskompetenz gegeben, aber die Voraussetzungen für Pflegestufe I werden nicht erreicht, hatten betroffene Patienten bis 2015 keinerlei Ansprüche auf Leistungen für die häusliche Pflege.

Voraussetzungen für die Pflegestufe 0

Auch wenn ein Patient nicht körperlich eingeschränkt oder behindert ist, können seine Fähigkeiten, die regelmäßigen Verrichtungen des Alltags zu bewältigen, Defizite aufweisen. Vor allem Menschen mit Demenz oder Alzheimer sind – zumindest zu Beginn ihrer Erkrankung – häufig von der Situation betroffen, dass sie zwar körperlich noch fit sind, ihre geistigen Fähigkeiten aber mehr und mehr nachlassen. Davon sind viele täglich zu erledigende Routinetätigkeiten betroffen: Von der Körperpflege über die Ernährung bis hin zu Lebensmitteleinkäufen sind Demenzkranke mehr und mehr auf Hilfe angewiesen, je weiter ihre Erkrankung fortschreitet.
Die Pflegestufen I – III ziehen allerdings weder das Ausmaß einer körperlichen noch einer geistigen Erkrankung heran, wenn es um die Einstufung in eine Pflegestufe geht. Um eine Pflegestufe zu erhalten, zählt vorrangig der zeitliche Aufwand, den die tägliche Pflege einnimmt. Pflegestufe I wird z. B. erst bei einer Pflegebedürftigkeit von täglich mindestens 90 Minuten anerkannt.
Seit 2013 können Menschen, die zuvor in keiner Pflegestufe untergebracht werden konnten, staatliche Leistungen erhalten, um den Aufwand für die häusliche Pflege bezahlen zu können. Diese Änderung beruht auf dem sogenannten Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz, das geistige und psychische Erkrankungen in Form der eingeschränkten Alltagskompetenz als Voraussetzung für Pflegeleistungen festlegte. Die Pflegestufe 0 ist der Vorläufer des seit dem 1. Januar 2017 geltenden Pflegegrads 2.

Anspruch und Leistungen der Pflegestufe 0

Anspruch auf Leistungen der Pflegestufe 0 haben gemäß der Pflegereform (Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz) Menschen, die an Demenz erkrankt sind, eine psychische Krankheit haben oder geistig behindert sind. Sie sind in vielen Fällen körperlich nicht so stark beeinträchtigt, dass sie einer täglichen Pflege bedürfen. Trotzdem können sie den Alltag nicht (oder nicht mehr) selbstständig bewältigen und sind daher auf Unterstützung angewiesen. Obwohl sie nicht die Voraussetzungen für die Pflegestufe I erfüllen, können sie im Rahmen der Pflegestufe 0 einen Anspruch auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen geltend machen.
Die Mittel aus der Pflegeversicherung können eingesetzt werden, um Pflegedienste oder eine Ersatzpflege sowie gerontopsychiatrische Betreuungsangebote zu finanzieren. Auch wenn die Pflege nicht durch einen Pflegedienst, sondern einen Angehörigen erfolgt, können Leistungen aus der Pflegeversicherung eingefordert werden.
Ergänzend haben Pflegebedürftige der Stufe 0 halbjährlich Anspruch auf ein Pflegeberatungsgespräch. Darüber hinaus können Leistungen für die Verhinderungspflege (wenn die pflegende Person aufgrund von Urlaub oder Krankheit verhindert ist), Zuschüsse für Pflegehilfsmittel sowie Gelder für die Verbesserung des Wohnumfelds beantragt werden.

Änderung der Pflegestufe 0 ab 2017

Die Veränderung der Krankheitsbilder in der Gesellschaft hatte zur Folge, dass im Rahmen der sogenannten Pflegereform die Pflegebedürftigkeit und auch die Pflegestufen neu definiert wurden. Mit dem 1. Januar 2017 treten anstelle der Pflegestufen nun Pflegegrade in Kraft, die neben den bereits erfassten körperlichen Einschränkungen auch geistige Defizite mit in die Berechnung des Pflegebedarfs einrechnen.
Wer bereits in eine Pflegestufe eingeteilt ist oder die Bescheinigung einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“ besitzt, wird im Zuge der Umstellung automatisch in den nächsthöheren oder in den übernächsten Pflegegrad übergeleitet. Das Ziel der Umstellung ist, niemanden, der bereits Pflegegeld bezieht, schlechter zu stellen, gleichzeitig aber auch Menschen mit einer geistigen Einschränkung zielgerichtet zu erfassen. Aus diesem Grund erhalten Patienten mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen eine Stufe mehr. Patienten, denen die eingeschränkte Alltagskompetenz bescheinigt wurde, steigen in die übernächste Stufe auf.
Weil aber der Pflegegrad 1 rein rechnerisch gar nicht existiert, bzw. nicht für Leistungen aus der Pflegeversicherung vorgesehen ist, werden alle Patienten der Pflegestufe 0 automatisch in den Pflegegrad 2 überschrieben.

Pflegestufe I

Die Pflegestufe I bildet den größten Anteil unter den Pflegebedürftigen. Sie wird als „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ definiert.

Pflegebedürftig ist, wer seinen Alltag nicht mehr selbstständig gestalten kann. Das Hauptaugenmerk der Einstufung von Pflegebedürftigkeit liegt aber nicht in der Freizeitgestaltung, sondern in der Grundversorgung der betroffenen Menschen. Ausgangspunkt der Einstufung ist eine Krankheit oder Behinderung, die Unterstützung bei den Verrichtungen des täglichen Lebens erfordert. Die regelmäßigen Verrichtungen werden in die vier Kategorien Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung unterteilt. Folgende Tätigkeiten werden darunter jeweils verstanden:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen/Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: mundgerechtes Zubereiten bzw. Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität: Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Wohnungsreinigung, Spülen, Wechseln und Waschen von Kleidung und Wäsche, Beheizen der Wohnung

Voraussetzungen für die Pflegestufe I

Die Pflegestufe I setzt voraus, dass der betroffene Patient körperlich insofern eingeschränkt ist, dass er eine „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ aufweist. Auf dieser untersten Stufe des Pflegestufen-Systems bedeutet das im konkreten Fall, dass täglich mindestens bei zwei der täglichen Verrichtungen aus den Kategorien Körperpflege, Ernährung und Mobilität Hilfe oder Unterstützung benötigt wird. Diese drei werden mit dem Begriff der Grundpflege zusammengefasst. Darüber hinaus muss mehrmals in der Woche Bedarf an hauswirtschaftlicher Versorgung bestehen, etwa in Form von Einkäufen, Reinigung der Wohnung oder Wäschewaschen.
Die Einteilung in eine Pflegestufe ist abhängig vom zeitlichen Aufwand der täglichen Pflege. Wird aufgrund hauswirtschaftlicher Besorgungen oder Tätigkeiten an einigen Tagen mehr Zeit für die Unterstützung des Patienten benötigt als an anderen Tagen, wird der tägliche Durchschnitt ermittelt und der Berechnung zugrunde gelegt. Im Durchschnitt muss die tägliche Pflege mindestens 90 Minuten dauern, wovon mindestens 45 Minuten auf die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) entfallen müssen.

Anspruch und Leistungen der Pflegestufe I

Ein Patient hat dann Anspruch auf die Pflegestufe I, wenn er dauerhaft hilfebedürftig im Sinne einer „erheblichen Pflegebedürftigkeit“ ist. Dieser Umstand ist dann gegeben, wenn die tägliche Pflege und Unterstützung bei mindestens zwei Verrichtungen, die nicht mehr selbstständig ausgeführt werden können, mehr als 90 Minuten beträgt und davon mehr als 45 Minuten täglich für Tätigkeiten wie das Waschen, das An- und Ausziehen oder die Nahrungsaufnahme benötigt werden.
Der Betrag, den die Betroffenen aus der Pflegeversicherung erhalten, kann sowohl für Sachleistungen wie etwa Pflegehilfsmittel oder einen professionellen Pflegedienstleister, als auch für den zeitlichen Aufwand eines Angehörigen, der sich um den Patienten kümmert und für ihn einkauft oder wäscht, verwendet werden. Anders als bei der Pflegestufe 0 kann im Rahmen der Pflegestufe I bereits ein Antrag auf vollstationäre Pflege gestellt werden, dem in der Regel aber nur unter besonders schweren Umständen stattgegeben wird.

Der Antrag auf Leistungen der Pflegestufe I muss schriftlich bei der Pflegekasse gestellt werden, die in der Regel an die Krankenkasse angegliedert ist. Dieser wird von der Pflegekasse kostenlos auf den tatsächlichen Bedarf geprüft.

Änderung der Pflegestufe I ab 2017

Mit dem Beginn des Jahres 2017 erfolgt die Umstellung der Pflegestufen auf das neue System der Pflegegrade. Der Hintergrund dieser Umstellung begründet sich in dem Bedarf an einer Regelung für geistig oder psychisch erkrankte Menschen, die zuvor durch das Raster des Pflegestufen-Systems gefallen sind. Weil sie körperlich häufig noch fit sind, aber dennoch nicht mehr eigenständig den Alltag bewältigen können, wurden sie von den Pflegestufen nicht erfasst. Mit der Neuregelung der Pflegestufen werden seit 1. Januar 2017 auch geistige Krankheiten wie Demenz, psychische Erkrankungen und geistige Behinderungen, die als „eingeschränkte Alltagskompetenz“ klassifiziert werden, mit in die Berechnung einbezogen.

Menschen, die bis Ende 2016 in die Pflegestufe I eingeteilt sind, werden mit dem Jahreswechsel automatisch in den entsprechenden Pflegegrad überführt. Dabei beginnt die Auszahlung von Leistungen erst ab Pflegegrad 2. Folgerichtig wird aus Pflegestufe I ab 2017 Pflegegrad 2. Wer zudem eine eingeschränkte Alltagskompetenz bescheinigt hat, steigt in die übernächste Stufe, also Pflegegrad 3, auf.

Pflegestufe II

Die Pflegestufe II wird als „schwere Pflegebedürftigkeit“ definiert. Voraussetzung dafür ist die Angewiesenheit auf Hilfe zu mindestens drei verschiedenenTageszeiten.

Wer aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr in der Lage ist, seinen Alltag ohne fremde Hilfe zu gestalten, gilt nach der gesetzlichen Definition als pflegebedürftig. Unterstützung durch einen Angehörigen oder eine Pflegekraft kann u. a. bei der Körperpflege, beim Essen oder beim Aufstehen und Zubettgehen notwendig sein – insbesondere die Verrichtung von allgemeinen Tätigkeiten im Alltag fällt unter die Voraussetzung, um Leistungen für die Pflege zu erhalten. Dabei wird die Häufigkeit, mit der eine oder mehrere der nachfolgenden Verrichtungen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können, zugrunde gelegt:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen/Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: mundgerechtes Zubereiten bzw. Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität: Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Wohnungsreinigung, Spülen, Wechseln und Waschen von Kleidung und Wäsche, Beheizen der Wohnung

Voraussetzungen für die Pflegestufe II

Um in die Pflegestufe II eingestuft zu werden, muss ein Patient mehrmals täglich auf Hilfe von außen angewiesen sein. Die sogenannte Grundpflege, die sich aus den alltäglichen Verrichtungen der Nahrungsaufnahme, der Körperpflege und der Mobilität zusammensetzt, muss zu unterschiedlichen Tageszeiten mindestens drei Mal am Tag beansprucht werden. Das kann z. B. der Fall sein, wenn am Morgen Unterstützung beim Aufstehen, Waschen und Anziehen benötigt wird, am Mittag beim Essen sowie am Abend beim Zubettgehen. Darüber hinaus ist der Patient nicht mehr in der Lage, selbst hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie das Einkaufen oder die Reinigung der Wohnung durchzuführen, und ist auch hier mehrmals in der Woche auf Hilfe angewiesen.
Pflegestufe II wird dann gewährt, wenn – die dreimalige tägliche Pflege und die hauswirtschaftliche Versorgung vorausgesetzt – die tägliche Grundpflege mindestens 120 Minuten umfasst und der zeitliche Auswand für die Pflege im Durchschnitt mindestens 180 Minuten am Tag beträgt. Der Durchschnittswert wird als Grundlage für die Bewertung des Pflegeaufwands herangezogen, weil die Unterstützung des pflegebedürftigen Patienten durch hauswirtschaftliche Tätigkeiten an einigen Tagen mehr Zeit in Anspruch nehmen kann als an anderen.

Anspruch und Leistungen der Pflegestufe II

Ein Antrag auf die Einstufung in Pflegestufe II kann zu jeder Zeit bei der Krankenkasse des Patienten gestellt werden, die auch für die Pflegeversicherung zuständig ist. Um die tatsächliche Pflegebedürftigkeit zu ermitteln, prüft die Pflegeversicherung jeden Fall einzeln und setzt fest, welchen Anspruch der Patient geltend machen kann und in welcher Höhe Leistungen ausbezahlt werden. Um die Leistungen der Pflegestufe II zu erhalten, richten sich die zu erfüllenden Voraussetzungen nach festen Vorgaben, nämlich dem mehrfach täglichen Pflegebedarf von insgesamt mindestens 180 Minuten, in dem die Grundpflege mindestens 120 Minuten umfassen muss. Darüber hinaus muss die Pflegebedürftigkeit dauerhaft, d. h. für mindestens sechs Monate, bestehen.
In den Leistungen, die die Pflegeversicherung auszahlt, sind Mittel für Sachleistungen sowie den zeitlichen Aufwand von pflegenden Angehörigen enthalten. Unter Sachleistungen wird sowohl der Kauf von Pflegehilfsmitteln als auch ein professioneller Pflegedienst, der sich zu festen Tageszeiten um den Patienten kümmert, verstanden, und auch die vollstationäre Pflege wird bezuschusst.

Änderung der Pflegestufe II ab 2017

Mit dem 01. Januar 2017 ist eine neue Pflegereform in Kraft getreten, die die bislang bekannten Pflegestufen ablöst und durch neue Pflegegrade ersetzt. Stufenweise wurden bereits seit 2015 Veränderungen vorgenommen, um neben rein körperlichen Erkrankungen auch geistige Defizite wie Demenz oder psychische Krankheiten von der Pflegeversicherung erfassen lassen zu können.
Pflegebedürftige Patienten der Stufe II werden mit dem Wechsel automatisch mindestens in den nächsthöheren Pflegegrad 3 übernommen. Das Ziel der Pflegereform ist, keinen Patienten schlechter zu stellen, sondern individueller auf seine Bedürfnisse eingehen zu können. Aus diesem Grund erhalten Patienten, die über ihre körperlichen Einschränkungen hinaus, für die sie bereits zuvor Leistungen erhalten haben, auch Defizite in der Alltagskompetenz, z. B. aufgrund von einer Demenzerkrankung, besitzen, nun mehr Leistungen und werden aus der Pflegestufe II in Pflegegrad 4 überführt.

Pflegestufe III

Wer rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist, fällt unter die Voraussetzungen für Pflegestufe III, die offiziell als „schwerste Pflegebedürftigkeit“ bezeichnet wird.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Kompetenz, den Alltag noch selbstständig gestalten zu können, mehr und mehr, teilweise in rapider Schnelligkeit, ab. Auch besonders schwere körperliche Erkrankungen oder Behinderungen können ein Grund dafür sein, dass Patienten mindestens fünf Stunden am Tag betreut und unterstützt werden müssen. Das bis Ende 2016 geltende System der Pflegestufen regelt, welche alltäglichen Verrichtungen, bei denen Hilfe beansprucht wird, als Voraussetzung für die Einordnung in eine Pflegestufe gelten und welche Leistungen die Patienten aus der Pflegeversicherung beziehen dürfen. Dabei werden die Tätigkeiten in die vier Bereiche Körperpflege, Mobilität, Ernährung und hauswirtschaftliche Versorgung aufgeteilt:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen/Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: mundgerechtes Zubereiten bzw. Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität: Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Wohnungsreinigung, Spülen, Wechseln und Waschen von Kleidung und Wäsche, Beheizen der Wohnung

Voraussetzungen für die Pflegestufe III

Um in die höchste Pflegestufe eingeteilt zu werden, muss die Pflegebedürftigkeit des Patienten sehr hoch sein. Die Bezeichnung „Schwerstpflegebedürftigkeit“ ist dabei keineswegs übertrieben formuliert: Auch kleinere Verrichtungen des Alltags können nicht mehr eigenständig erledigt werden, von der regelmäßigen Flüssigkeitsaufnahme über die Körper- und Zahnpflege und den Toilettengang bis hin zum Aufstehen und Gehen in der Wohnung sind die Betroffenen rund um die Uhr, mindestens aber fünf Stunden am Tag auf Pflege angewiesen.
Patienten mit Pflegestufe III können häufig nicht mehr alleine leben, sondern sind in einer stationären Altenpflegeeinrichtungen untergebracht oder leben bei Angehörigen, die sich außerhalb der Zeiten des Pflegedienstes um sie kümmern – auch in der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr. Auf die Grundpflege müssen mindestens vier der fünf Stunden ausfallen, und mehrmals in der Woche müssen Lebensmitteleinkäufe, die Reinigung der Wohnung oder das Wäschewaschen übernommen werden.

Anspruch und Leistungen der Pflegestufe III

Wer dauerhaft, d. h. für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, auf Hilfe im Sinne einer „schwersten Pflegebedürftigkeit“ angewiesen ist, erfüllt die Bedingungen, um in die Pflegestufe III eingestuft zu werden. Weil auch einfache Alltagstätigkeiten nicht mehr ohne fremde Hilfe verrichtet werden können, umfasst der tägliche Zeitaufwand für Grundpflege und hauswirtschaftliche Tätigkeiten mindestens fünf Stunden, wovon mindestens vier Stunden für Körperpflege, Ernährung und Mobilität notwendig sind. Die Grundpflege muss nicht von einem Pflegedienst übernommen werden, allerdings übersteigt es häufig die Zeit und Kraft von Angehörigen, diese ohne professionelle Unterstützung leisten zu können. Auch die vollstationäre Pflege wird in der Pflegestufe III von der Pflegeversicherung bezuschusst.
Die Grundleistungen der Pflegestufe III umfassen ein Pflegegeld sowie Pflegesachleistungen, unter die z. B. die Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst fällt. Der Antrag auf die Einstufung in Pflegestufe III muss bei der Krankenkasse des Versicherten gestellt werden und wird vor der Bewilligung von Vertretern der Pflegeversicherung geprüft.

Änderung der Pflegestufe III ab 2017

Seit dem 01. Januar 2017 gelten die bekannten Pflegestufen nicht mehr: Im Zuge einer neues Pflegereform findet eine Umstellung auf die sogenannten Pflegegrade statt, die nicht dreistufig, sondern fünfstufig gegliedert sind. Das hat den Hintergrund, dass es längst nicht mehr nur körperliche Erkrankungen und Behinderungen sind, die die Alltagskompetenz von Pflegebedürftigen einschränken. Wer unter einer Form der Demenz oder einer psychischen Erkrankung leidet, fiel in der Pflegestufenregelung häufig durch das Einordnungsraster. Mit den neuen Pflegegraden aber sollen auch Demenz, geistige Behinderungen und psychische Erkrankungen besser in das Spektrum der Pflegeleistungen eingestuft werden.
Patienten mit einer körperlichen Erkrankung, die zuvor in Pflegestufe III eingestuft waren, erhalten nun automatisch die Leistungen des Pflegegrads 4. Wem darüber hinaus aufgrund von Demenz eine „eingeschränkte Alltagstauglichkeit“ bescheinigt wird, wird in Pflegegrad 5 übergeleitet und erhält höhere Leistungen. Dabei sollen bisher bezogene Leistungen keinesfalls unterschritten und Patienten somit schlechter gestellt werden. Vielmehr sollen die Leistungen gleich bleiben oder sich erhöhen.

Pflegestufe III (Härtefall)

Wenn die zu leistende Pflege die Pflegestufe III übersteigt, kann eine Härtefallregelung beantragt werden. Mit dieser können im Bereich der Pflegesachleistungen höhere Kosten gedeckt werden.

Eigentlich ist die Pflegestufe III die höchste Form der Pflegeversicherungsleistung. Patienten, die als Pflegestufe III eingeordnet werden, sind bereits „schwerstpflegebedürftig“. Wenn aber die benötigte Unterstützung im Alltag die Voraussetzungen für die dritte Pflegestufe noch deutlich überschreitet, kann der Betroffene oder der Angehörige, der den Patienten pflegt, eine sogenannte Härtefallregelung beantragen. Unter diese Regelung fällt die Pflegebedürftigkeit, wenn die Hilfe nicht nur tagsüber, sondern auch mehrfach während der Nachtstunden benötigt wird, weil sowohl die Mobilität, die Körperpflege und die Ernährung kaum noch eigenständig von der betroffenen Person verrichtet werden können. Dieser hohe und intensive Pflegeaufwand wird ergänzt durch mehrfach in der Woche zu erledigende Hauswirtschaftstätigkeiten. Patienten mit Pflegestufe III und Härtefallregelung sind in der Regel nicht mehr dazu in der Lage, die nachfolgend aufgeführten Alltagsverrichtungen ohne Hilfe durchzuführen:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen/Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: mundgerechtes Zubereiten bzw. Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität: Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Wohnungsreinigung, Spülen, Wechseln und Waschen von Kleidung und Wäsche, Beheizen der Wohnung

Voraussetzungen für die Pflegestufe III (Härtefallregelung)

Ein Patient, der unter die Härtefallregelung der Pflegestufe III fällt, kann in vielen Fällen nicht mehr ohne fremde Hilfe seinen Alltag gestalten, auch nicht bei kleinsten Aufgaben oder Verrichtungen. Der Härtefall unterscheidet sich insofern von der Pflegestufe III, dass die Unterstützung für mindestens sechs Stunden täglich benötigt wird, und davon mindestens drei Mal in der Nacht (zwischen 22 und 6 Uhr) erfolgen muss. Rund um die Uhr muss eine Pflegeperson zur Verfügung stehen, die dem Patienten beim Aufstehen, Gehen und beim Toilettengang behilflich ist. Angehörige können diesen Dienst nicht mehr leisten, weshalb entweder eine feste Pflegekraft engagiert oder der Patient in einer vollstationären Pflegeeinrichtung untergebracht werden muss, wo auch die dauerhafte medizinische Behandlungspflege, die z. B. Verbandswechsel beinhaltet, gewährleistet ist.
Die Härtefallregelung ist darüber hinaus dann zu gewähren, wenn während der Nachtstunden die Pflege nicht durch eine Person geleistet werden kann, und neben dem pflegenden Angehörigen eine professionelle Pflegekraft benötigt wird. Die Entscheidung für die Härtefallregelung der Pflegestufe III kann somit sowohl quantitativ (zeitlicher Aufwand der Pflege) als auch qualitativ (zweite Pflegeperson, Rund-um-die-Uhr-Betreuung) begründet werden.

Anspruch und Leistungen der Pflegestufe III (Härtefall)

Der Antrag auf eine Härtefallregelung muss, wie auch der grundsätzliche Antrag auf eine Pflegestufe, bei der zuständigen Krankenkasse gestellt werden. Vertreter der Pflegeversicherung entscheiden individuell für jeden Einzelfall, ob dem Antrag vonseiten der Versicherung stattgegeben wird. Der Anspruch auf die erhöhten Leistungen der Pflegestufe III wird dann gewährt, wenn die quantitativen bzw. qualitativen Kriterien der Härtefallregelung erfüllt sind, d. h. die Grundpflege mehr als sechs Stunden am Tag beansprucht oder eine zweite Pflegeperson in der Nacht anwesend sein muss.
Das Pflegegeld für die Härtefallregelung entspricht dem Betrag der Pflegestufe III, für Sachleistungen und vollstationäre Pflegeleistungen werden aber erhöhte Sätze ausgezahlt.

Änderung der Pflegestufe III (Härtefall) ab 2017

Mit dem Jahreswechsel zum 01. Januar 2017 geht das Pflegestufensystem in eine neue Regelung über: Im Zuge der sogenannten Pflegereform werden aus drei Pflegestufen nun fünf Pflegegrade. Ziel hinter der Pflegereform ist, nicht nur Patienten zu erfassen, die wegen einer körperlichen Erkrankung oder Behinderung auf Pflege angewiesen sind, sondern auch solche, denen von ärztlicher Seite eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ bescheinigt wird. Diese wird beispielsweise Menschen mit Demenz, Alzheimer oder einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung attestiert. Weil sich die Pflegestufen nach dem zeitlichen Pflegeaufwand aufgrund einer körperlichen Einschränkung richten, wurden geistige Defizite bislang kaum den Pflegestufen erfasst.
Patienten, die schon vor Ende 2016 in die Härtefallregelung der Pflegestufe III eingestuft waren, werden mit der Umstellung automatisch in den Pflegegrad 5 eingeordnet. Dieser Pflegegrad ist der höchste Grad mit der höchsten Leistung durch die Pflegeversicherung. Eine Unterscheidung zwischen körperlichen und geistigen Defiziten wird auf dieser Stufe der Pflegebedürftigkeit nicht mehr getroffen.

2017-12-21T11:38:02+00:00
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