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Lähmung

Eine Lähmung erschwert den Alltag für eine pflegebedürftige Person auf vielfältige Weise und hat nicht nur physische, sondern auch psychische Auswirkungen. Pflegepersonen haben deshalb die wichtige Aufgabe, die Lähmung in die Pflege mit einzubeziehen.

Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Lähmungen

Lähmungen sind Erkrankungen, die in einzelnen Extremitäten oder über die gesamte Körperlänge hinweg auftreten können, beispielsweise als sogenannte Halbseitenlähmung (Hemiplegie). Sie entstehen im Zusammenhang mit Krankheiten des Nervensystems, durch einen Schlaganfall, Unfälle, Infekte oder Vergiftungen.
Lähmungen können in jedem Alter auftreten und entstehen in einigen Fällen schleichend, in anderen von einem Moment auf den anderen – z. B. bei einem Schlaganfall oder einer motorischen Schädigung durch einen Unfall. Die Folgen für die Psyche der Betroffenen sind vielfältig. Sie müssen nicht nur damit zurechtkommen, krank zu sein, sondern sind auch von einem Tag auf den anderen auf Pflege angewiesen. Der gelähmte, kranke Teil des eigenen Körpers wird in der Folge häufig ignoriert und nicht mehr akzeptiert: Für die pflegende Person bedeutet eine Lähmung, den Betroffenen an die Akzeptanz seiner Erkrankung heranzuführen – ein besonders wichtiger Aspekt der Pflege bei Lähmungen ist daher die Einbeziehung der gelähmten Extremitäten bzw. der gelähmten Körperhälfte.

Wie entstehen Lähmungen?

Eine Lähmung hängt mit dem gesamten Bewegungsapaarat zusammen. Abhängig von der auslösenden Erkrankung oder Störung verändert sich die Muskulatur vorübergehend oder dauerhaft: Die Muskelkraft ist dann nur noch sehr schwach oder gar nicht mehr vorhanden. Bei einigen Erkrankungen, z. B. der Parkinson-Krankheit oder der Multiplen Sklerose, entwickelt sich die Lähmung über einen längeren Zeitraum; in vielen Fällen tritt sie jedoch von jetzt auf gleich ein. Das ist z. B. bei Unfällen, einen Schlaganfall oder plötzlichen Veränderungen des zentralen oder peripheren Nervensystems der Fall. Die möglichen Ursachen für eine Lähmung sind vielfältig und umfassen u. a.:

  • mechanische Schäden: Durchtrennung oder Schädigung von Nerven im Rückenmark oder Gehirn (Querschnittslähmung, Bandscheibenvorfall)
  • Infektionen (Borreliose, Hirnhautentzündung, Kinderlähmung)
  • Krebserkrankungen (Tumore an Nervenbahnen)
  • Alkoholabhängigkeit: Schädigungen an Muskeln und Nervenenden
  • Gefäßerkrankungen (Schlaganfall, Migräne)
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose)
  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (Diabetes mellitus)
  • Vergiftungen

Nicht jede Lähmung ist dauerhaft, jedoch sind es gerade die nicht reversiblen Lähmungen, die auf Dauer einen Pflegegrad erfordern und die tägliche Pflege erschweren können. Die Pflege findet ergänzend zu therapeutischen und ärztlichen Behandlungsmethoden statt und verfolgt verschiedene Ziele: Einerseits ist sie dazu gedacht, eine pflegebedürftige Person mit einer Lähmung in der Bewältigung des Alltags zu unterstützen, andererseits soll sie aber auch dazu beitragen, dass der Betroffene sich mit seiner Erkrankung auseinandersetzt.

Typische Symptome, an denen sich eine Lähmung erkennen lässt, sind Auffälligkeiten im Gangbild sowie Gehbehinderungen, aber auch die Veränderung bzw. Verkrampfung des Bewegungsapparates. Insbesondere bei Schädigungen der Nerven im Gehirn tritt eine Lähmung nur einseitig auf und kann daran erkannt werden, dass die freie Beweglichkeit der Schultern oder Hände eingeschränkt ist oder eine Störung der Feinmotorik auftritt. Hantieren, ein fester Händedruck, Pinzettengriff oder Faustschluss sind dann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

Wie wirken sich Lähmungen auf die Pflege aus?

Abhängig davon, was für eine Form der Lähmung vorliegt, kann die Pflege mehr oder weniger aufwendig sein. So ist die Pflege bei einzelnen gelähmten Extremitäten oder Muskeln deutlich leichter, weil die Betroffenen noch eine gewisse Selbstständigkeit besitzen. Aufwendiger ist dagegen die Pflege von Personen mit einer Halbseiten- oder Querschnittslähmung: Neben der Durchführung von allgemeinen Pflegemaßnahmen (Körperpflege, Nahrungsaufnahme) kommt hier der Lagerung als passiver Bewegungsübung eine wichtige Bedeutung zu.

Ein wesentlicher Bestandteil der Pflege bei Lähmungen ist das Aufbauen einer Akzeptanz für die gelähmten Extremitäten oder die gelähmte Körperhälfte. Darüber hinaus ist das Körperfühl auf der betroffenen Seite bzw. in den betroffenen Extremitäten oftmals deutlich eingeschränkt: Die gelähmten Gliedmaßen zeigen eine typische Haltung, etwa das eingedrehte Anziehen des Arms an den Oberkörper oder das Abstrecken des Beins. Weil die Betroffenen diese Körperteile häufig ignorieren, sollten sämtliche Pflegemaßnahmen und Hilfestellungen von der geschädigten Seite aus erfolgen. Der Pflegebedürftige ist so gezwungen, seinen Kopf zu drehen und über die gelähmte Seite zu schauen – eine psychologisch wichtige Handlung, die zudem eine wichtige Voraussetzung für spätere Gehübungen sein kann, weil sie das Drehen und Ausbalancieren des Kopfes trainiert.

Anpassung der Wohnungsumgebung bei Lähmungen

Die Wohnumgebung, in der sich der Pflegebedürftige aufhält, sollte genauso wie die Handlungen der pflegenden Person individuell auf die Lähmung des Betroffenen angepasst werden. Auch hier sollte die Ausrichtung von Bett, Möbeln und Aktivitäten auf die gelähmte Körperseite bzw. die gelähmten Extremitäten erfolgen. Beispielsweise sollte bei der Raumaufteilung beachtet werden, dass das Bett oder Sofa so steht, dass sich die Pflegeperson oder Besucher von der geschädigten Seite aus nähern. Auch Nachtschränkchen, Fernseher und andere Gegenstände, die wichtig für den Pflegebedürftigen sind, sollten auf dieser Seite angeordnet sein. So muss der Pflegebedürftige, um Gegenstände zu sehen oder mit Personen in Blickkontakt zu treten, den Blick über die geschädigte Körperhälfte richten und den Kopf in die Richtung drehen, die zunächst unpassend erscheint, aber einen Trainingseffekt beinhaltet.

Über die Raumaufteilung hinaus sollte der Wohnraum auch in der Auswahl von Bett und Sitzmöbeln an die Pflegesituation angepasst werden: Ist der Pflegebedürftige bettlägerig, wird ein höhenverstellbares Pflegebett benötigt. Polstermöbel sollten durch Stühle mit stabilen Lehnen ausgetauscht werden, weil sie dem Pflegebedürftigen besseren Halt geben. Die Anpassung des Badezimmers sollte so erfolgen, dass sie dem Pflegebedürftigen auch bei eingeschränkter Mobilität eine Form der Körperpflege ermöglicht, bei der er selbst aktiv Handlungen ausführen kann und nicht vollkommen auf Hilfe angewiesen ist.

Welcher Pflegegrad bei Lähmungen?

Ein Pflegegrad (ehemals Pflegestufe) ermöglicht Menschen mit einer körperlich oder psychisch bedingten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen oder finanzielle Unterstützung für die situationsgerechte Anpassung des Wohnraums zu erhalten.

Damit ein Pflegegrad und die entsprechenden Leistungen bewilligt werden können, muss sich die Pflegeversicherung ein Bild davon machen, wie stark die betroffene Person in ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt ist. Abhängig davon, ob einzelne Extremitäten oder eine gesamte Körperseite gelähmt sind, ob der Pflegebedürftige noch laufen kann oder eine Mobilitätseinschränkung vorliegt, kann die Pflegeversicherung bei einer Lähmung jeden der fünf Pflegegrade vergeben. Ausschlaggebend für die Bewilligung ist die Prüfung der Selbstständigkeit im Rahmen des sogenannten Neuen Begutachtungsassessments.

2018-07-16T14:47:37+00:00
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