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Schlaganfall

Pflegebedürftigkeit tritt bei vielen Menschen schleichend auf. Bei einem Schlaganfall aber kann es passieren, dass ein Patient von jetzt auf gleich zum Pflegefall wird. Welche Anforderungen das an die tägliche Pflege stellt, erfahren Sie hier.

Pflege und Pflegegrad bzw. Pflegestufe nach einem Schlaganfall

Ein Schlaganfall gehört zu den Erkrankungen, auf die in der Regel niemand vorbereitet ist. Er tritt von einer Sekunde auf die andere ein, ohne sich im Vorfeld anzukündigen. Es handelt sich dabei um eine neurologische Erkrankung des Gehirns, die auf einer Durchblutungsstörung beruht. Schlaganfälle gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen. Folgen können schwere körperliche und geistige Behinderungen oder Todesfälle sein.

Weil ein Schlaganfall plötzlich auftritt, stellt er die Betroffenen vor eine nur schwer zu bewältigende Situation. Von einem Tag auf den anderen kann ein Schlaganfall-Patient, je nach Schweregrad seiner Erkrankung und der Folgen, auf tägliche Pflege und Betreuung oder sogar einen Rollstuhl angewiesen sein.
Generell sollten nach einem Schlaganfall die Möglichkeiten auf einen Pflegegrad (bis 2017 Pflegestufe) geprüft werden.

So beantragen Sie einen Pflegegrad (früher: eine Pflegestufe) bei einem Schlaganfall

Viele Fälle, in denen ein Pflegegrad beantragt werden kann, treten schleichend ein: Von der Demenz bis zu Parkinson beginnen viele Erkrankungen mit leichten Symptomen, die im weiteren Verlauf immer stärker werden und ein steigendes Maß an Pflege fordern. Anders der Schlaganfall: Er tritt plötzlich ein und verändert das Leben von einem Moment auf den anderen.

Für Angehörige eines Schlaganfall-Patienten bedeutet das, in kurzer Zeit eine große Umstellung des Alltagslebens erleben zu müssen. Da rund 70 Prozent der Betroffenen nach einem Schlaganfall auf lange Zeit behindert bleiben, müssen sie sich mit vollkommen neuen Lebensumständen auseinandersetzen, die Pflege und Betreuung zu einem festen Bestandteil des Alltags machen. Hilfe bieten dabei z. B. ambulante Pflegedienste, die Angehörigen ermöglichen, weiterhin ihrem Beruf nachzugehen – doch ein Pflegedienst kostet viel Geld.

Als Versicherungsnehmer bei einer Kranken- und Pflegekasse können Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Leistungen von der Pflegeversicherung beziehen und so einen Teil der Kosten auffangen. Wie hoch die Leistungen im Einzelnen ausfallen, entscheidet die Pflegeversicherung nach einer Begutachtung durch einen Pflegegutachter. Zuvor aber müssen Sie einen Antrag auf einen Pflegegrad (früher: eine Pflegestufe) stellen.

Beantragt werden kann ein Pflegegrad nach einem Schlaganfall mit einem formlosen Schreiben an die Pflegeversicherung. Da die Pflegeversicherung ebenso wie die Krankenversicherung in Deutschland verpflichtend ist, hat im Grunde jeder ein Anrecht auf Pflegeleistungen. Sobald Ihre Bitte um Einstufung in einen Pflegegrad dort eingeht, hat die Versicherung ca. fünf Wochen Zeit, Ihnen einen rechtskräftigen Bescheid zuzustellen. Beantragt werden muss der Pflegegrad in der Regel von der Person, die der Pflege bedarf, selbst. Ist sie aufgrund des Schlaganfalls dazu jedoch körperlich oder geistig nicht in der Lage, dürfen Angehörige bzw. Vertretungsberechtigte dies übernehmen.

Mit dem Schreiben an die Pflegeversicherung bringen Sie das Bewilligungsverfahren in Gang. Daran anschließend wird die Versicherung Ihnen einen Termin für die Begutachtung mitteilen, an dem ein Gutachter des MDK die Pflegesituation und die Anforderungen an die Pflege überprüft. Dieser Termin ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Pflegeversicherung Ihren pflegebedürftigen Angehörigen nach einem Schlaganfall in den entsprechenden Pflegegrad einstufen kann.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Gefäßverengungen, Blutgerinnsel oder Thrombosen führen zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Wird der Blutfluss ganz gestoppt, kann das Gehirn nicht länger mit Sauerstoff versorgt werden. Um schwere Schädigungen oder sogar einen Hirntod zu vermeiden, zählt nach einem Schlaganfall jede Sekunde: Je früher ein Notarzt sich des Patienten annehmen kann, desto wahrscheinlicher ist ein glimpflicher Ausgang.

Abhängig davon, wie lange die Nervenzellen des Gehirns dem plötzlichen Sauerstoffmangel ausgesetzt sind, können in der Folge Behinderungen von unterschiedlicher Schwere auftreten. Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Etwa 70 Prozent bleiben danach auf lange Zeit behindert.

Zu den Symptomen, die nach einem Schlaganfall in mehr oder weniger ausgeprägter Stärke auftreten können, gehören u. a. Taubheitsgefühle sowie Lähmungen im Gesicht, in einem Arm oder Bein oder in einer ganzen Körperhälfte. Im Gesicht erfahren viele Betroffene zudem Sehstörungen oder einen Gesichtsfeldausfall. Weitere Symptome sind Wahrnehmungsstörungen, Orientierungsstörungen, Wortfindungsstörungen oder eine allgemeine Verwirrung sowie starke Kopfschmerzen und Schluckstörungen. Außerdem können ohne erkennbare Ursache Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Übelkeit auftreten.

Die Symptome, die im Einzelnen zu beobachten sind, variieren von Fall zu Fall in ihrer Ausprägung und der Häufigkeit ihres Auftretens. Nach einem leichten Schlaganfall finden viele Patienten mit den geeigneten Reha-Maßnahmen wieder weitgehend in ihr altes Leben zurück und können unter Umständen sogar noch Auto fahren. Ein schwerer Schlaganfall dagegen führt fast immer zu einer Pflegebedürftigkeit.

Anforderungen an die Pflege eines Schlaganfall-Patienten

Dass nach einem Schlaganfall eine Pflegebedürftigkeit eintritt, ist aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung des Gehirns während des Schlaganfalls sehr wahrscheinlich. Wie auch die Symptome kann die Pflegebedürftigkeit unterschiedliche Ausprägungen annehmen und zeitweise oder für den Rest des Lebens bestehen bleiben.

Besteht der Pflegebedarf zwar mehrmals täglich, jedoch kann der Pflegebedürftige ansonsten tagsüber alleine bleiben, kann die Pflege nach beantragtem Pflegegrad (früher Pflegestufe) im eigenen Zuhause erfolgen. Durchgeführt wird die Pflege von professionellen Pflegekräften eines ambulanten Pflegedienstes oder, sofern möglich, von Angehörigen. Muss der Pflegebedürftige ganztägig betreut werden, erhöhen sich die Anforderungen an die Pflege dramatisch – in vielen Fällen wird es dann unumgänglich, den Schlaganfall-Patienten in einem Pflegeheim unterzubringen.

Was ist in der Pflege eines Schlaganfall-Patienten besonders zu beachten?

Leidet der Pflegebedürftige unter einer teilweisen oder halbseitigen Lähmung, geht der Pflegebedarf über die alltäglichen Pflegetätigkeiten hinaus. Man spricht dann auch von einer schwersten Pflegebedürftigkeit, die besondere Anforderungen an die Pflege stellt. Diese wird meist durch einen ambulanten Pflegedienst durchgeführt, welche die Pflegeleistungen der Pflegegrade (vormals Pflegestufen) zur Versorgung nutzen. Weil der Pflegebedürftige oftmals bettlägerig ist bzw. sich nur in den seltensten Fällen selbstständig bzw. im Rollstuhl fortbewegen kann, reicht die Unterstützung und Anleitung bei der Körperpflege, der Bewegung und der Ernährung nicht aus. Stattdessen muss die Pflegeperson oder Pflegedienst darauf achten, dass das lange Liegen oder Verharren in ein und derselben Position nicht zu Folgeerkrankungen führt.

Eine wichtige Aufgabe der pflegenden Person ist z. B. das Umlagern des Pflegebedürftigen. Das bedeutet, dass die Liegeposition oder Sitzhaltung regelmäßig verändert werden muss, und zwar aus der Kraft der Pflegeperson heraus. Nur so kann ein Wundliegen oder Wundsitzen vermieden werden.

Je länger das Gehirn nach dem Schlaganfall ohne Sauerstoff gewesen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Pflegebedürftige neben körperlichen Schädigungen auch von geistigen Behinderungen betroffen ist. Daher sind bei der pflegenden Person, vor allem wenn es sich um einen pflegenden Angehörigen handelt, Geduld und die Ermutigung zu kleinen Handlungen von größter Wichtigkeit.

Außerdem müssen pflegende Angehörige und ambulante Pflegekräfte folgende Aspekte bei der Pflege beachten:

  • Schlaganfall-Patienten müssen ausreichend trinken, um genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Häufig geht mit dem Schlaganfall jedoch eine Blasenschwäche einher.
  • Ist eine Körperhälfte gelähmt, sollte beim An- und Ausziehen auf diese Seite besonders geachtet werden. Sie sollte immer zuerst angezogen und als letztes ausgezogen werden.
  • Baden belastet den Kreislauf. Stattdessen sollten Schlaganfall-Patienten geduscht werden, beispielsweise unter Zuhilfenahme eines Duschhockers, um dem Pflegebedürftigen den Vorgang zu erleichtern.

Worauf Angehörige bei der Pflegegrad Begutachtung durch den MDK bei einem Schlaganfall besonders achten müssen

Weil schwere Schlaganfälle fast immer zu einer Pflegebedürftigkeit führen, ist die Beantragung eines Pflegegrads für viele Angehörige von Schlaganfall-Patienten von besonderer Wichtigkeit. Ausschlaggebend dafür, ob ein Pflegegrad bewilligt wird und wie hoch die Leistungen der Pflegeversicherung letztendlich ausfallen, ist jedoch nicht der Antrag selbst, sondern die Begutachtung durch den MDK.

Dieses sogenannte Neue Begutachtungsassessment dient der Pflegeversicherung als Anhaltspunkt, wie die individuelle Pflegesituation eines pflegebedürftigen Versicherungsnehmers einzuordnen ist. Es folgt einem übergeordneten, gesetzlich verankerten Katalog von Fragen zu verschiedenen Bereichen der Selbstständigkeit im Alltag. Diese sind:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Um zu vermeiden, dass während der Begutachtung fehlerhafte Einschätzungen der Pflegesituation vorgenommen werden, sollten sich Angehörige eines Pflegebedürftigen nach einem Schlaganfall intensiv auf den Begutachtungstermin mit dem MDK vorbereiten. Besonders zu achten ist dabei beispielsweise darauf, dass sämtliche Aspekte der Pflege, die im Alltag relevant sind, aufgegriffen werden – fehlerhafte Pflegegradbescheide (früher: Pflegestufenbescheide) beruhen u. a. darauf, dass der Gutachter keinen umfassenden Einblick in die Pflege erhält. Sein Gutachten beruht in diesem Fall auf seiner Wahrnehmung während des Begutachtungstermins und ist lediglich einer Momentaufnahme gleichzusetzen.

Abhängig davon, ob der Schlaganfall körperliche oder kognitive Beeinträchtigungen verursacht hat, kann die Einschränkung der Selbstständigkeit für den Gutachter mehr oder weniger offensichtlich zu erkennen sein. Vor allem bei kognitiven Beeinträchtigungen sind jedoch die Angehörigen gefragt: Sie können, beispielsweise mithilfe eines Pflegetagebuchs, Auskunft darüber geben, wie sich der Pflegebedürftige im Alltag verhält, welche Pflegemaßnahmen notwendig sind und wie oft diese am Tag durchgeführt werden. Um Lücken in der Begutachtung auszuschließen, sollte bei dem MDK-Termin mindestens einer der pflegenden Angehörigen anwesend sein und Auskunft über die tatsächliche Pflegesituation geben.

Können die Leistungen der Pflegeversicherung die Kosten decken?

Pflegebedürftige mit einem leichten Schlaganfall können, nach einer Reha und mit der richtigen medizinischen und physiotherapeutischen Unterstützung, wieder ein weitgehend selbstständiges Leben führen und sind nur zeitweise auf Pflege und Betreuung angewiesen. Sie erhalten in der Regel einen Pflegegrad (früher Pflegestufe), der im mittleren Bereich liegt und können die ausgezahlten Leistungen einsetzen, um einen pflegenden Angehörigen zu entlasten oder einen ambulanten Pflegedienst zu beauftragen.

Pflegebedürftige, die einen schweren Schlaganfall mit Folgen wie Lähmungen und geistigen Behinderungen hinter sich haben, müssen dagegen häufig fast rund um die Uhr gepflegt werden. Die Zahlungen der Pflegekasse sind gesetzlich festgelegt und können nur bis zu einem bestimmten, ebenfalls per Gesetz geregelten Rahmen erweitert werden.  Selbst wenn sie den höchsten Pflegegrad (Pflegegrad 5 – vormals Pflegestufe 3 Härtefall) erhalten, reichen die Leistungen der Pflegeversicherungen jedoch in vielen Fällen nicht aus.

Um sich für den Fall abzusichern, dass ein Schlaganfall mit anschließender Pflegebedürftigkeit eintritt, können sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Für eine solche Versicherung ist aber in der Regel eine Grundvoraussetzung, dass der Versicherte noch keinen Anspruch auf Versicherungsleistungen besitzt: Es darf also noch kein Schlaganfall eingetreten sein – auch keiner, der glimpflich ausgegangen ist.

Was es bei „Pflegegrad und Schlaganfall“ zusätzlich zu beachten gilt

Bei einem Schlaganfall geht – anders als bei vielen anderen Erkrankungen – alles sehr schnell. Ehe- oder Lebenspartner und andere Angehörige sind aus gutem Grund oftmals mit der neuen Situation überfordert. Themen wie die Umgestaltung des Wohnraums, Therapiemaßnahmen und die Fürsorge sind zwar sehr schnell präsent, die Möglichkeit auf finanzielle Unterstützung durch die Pflegeversicherung zuzugreifen, jedoch häufig nicht.

Erst wenn sich der Alltag und das Leben mit einem Schlaganfall-Patienten wieder etwas normalisiert haben, haben Angehörige wieder Zeit, über andere Aspekte des Alltags nachzudenken. Nun wird auch die Unterstützung in der Pflege zu einem wichtigen Thema, und nun sollte auch die Beantragung eines Pflegegrads oberste Priorität haben. Denn: Ein Pflegegrad kann nicht rückwirkend gewährt werden. Solange die Angehörigen keinen Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt haben, müssen sie also selbst für die Kosten, die durch die Pflege, etwa die Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes oder die Unterbringung in einer Tages- oder Nachtpflege, aufkommen. Erst ab dem Tag der Antragstellung hat der Pflegebedürftige Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen – die Versicherung zahlt diese bei Bewilligung des Pflegegrads (früher: der Pflegestufe) rückwirkend zum Tag der Pflegegradbeantragung.

Bei einem schweren Schlaganfall, der sowohl mit körperlichen als auch kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht, gewährt die Pflegekasse in der Regel sofort den entsprechenden Pflegegrad. Bei leichten Schlaganfällen kann es jedoch passieren, dass Ihr Pflegegradantrag im ersten Verfahren abgelehnt wird. Auch wenn Sie der Meinung sind, dass der bewilligte Pflegegrad der tatsächlichen Pflegesituation nicht gerecht wird, können Sie Widerspruch gegen den Pflegegradbescheid einlegen. Welche Fristen Sie dabei beachten müssen und wie Sie den Widerspruch formulieren, erklären wir Ihnen auf den folgenden Seiten.

Natürlich müssen Sie den Widerspruch nicht alleine bei der Pflegekasse einreichen. Gerne stehen wir von Dr. Weigl und Partner Ihnen dabei zur Seite und unterstützen Sie dabei, Ihre Ansprüche durchzusetzen.

2018-07-16T12:26:36+00:00
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