Schlaganfall

Pflegebedürftigkeit tritt bei vielen Menschen schleichend auf. Bei einem Schlaganfall aber kann es passieren, dass ein Patient von jetzt auf gleich zum Pflegefall wird. Welche Anforderungen das an die tägliche Pflege stellt, erfahren Sie hier.

Pflege und Pflegegrad bzw. Pflegestufe nach einem Schlaganfall

Ein Schlaganfall gehört zu den Erkrankungen, auf die in der Regel niemand vorbereitet ist. Er tritt von einer Sekunde auf die andere ein, ohne sich im Vorfeld anzukündigen. Es handelt sich dabei um eine neurologische Erkrankung des Gehirns, die auf einer Durchblutungsstörung beruht. Schlaganfälle gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen. Folgen können schwere körperliche und geistige Behinderungen oder Todesfälle sein.

Weil ein Schlaganfall plötzlich auftritt, stellt er die Betroffenen vor eine nur schwer zu bewältigende Situation. Von einem Tag auf den anderen kann ein Schlaganfall-Patient, je nach Schweregrad seiner Erkrankung und der Folgen, auf tägliche Pflege und Betreuung oder sogar einen Rollstuhl angewiesen sein.
Generell sollten nach einem Schlaganfall die Möglichkeiten auf einen Pflegegrad (bis 2017 Pflegestufe) geprüft werden.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Gefäßverengungen, Blutgerinnsel oder Thrombosen führen zu einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Wird der Blutfluss ganz gestoppt, kann das Gehirn nicht länger mit Sauerstoff versorgt werden. Um schwere Schädigungen oder sogar einen Hirntod zu vermeiden, zählt nach einem Schlaganfall jede Sekunde: Je früher ein Notarzt sich des Patienten annehmen kann, desto wahrscheinlicher ist ein glimpflicher Ausgang.

Abhängig davon, wie lange die Nervenzellen des Gehirns dem plötzlichen Sauerstoffmangel ausgesetzt sind, können in der Folge Behinderungen von unterschiedlicher Schwere auftreten. Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Etwa 70 Prozent bleiben danach auf lange Zeit behindert.

Zu den Symptomen, die nach einem Schlaganfall in mehr oder weniger ausgeprägter Stärke auftreten können, gehören u. a. Taubheitsgefühle sowie Lähmungen im Gesicht, in einem Arm oder Bein oder in einer ganzen Körperhälfte. Im Gesicht erfahren viele Betroffene zudem Sehstörungen oder einen Gesichtsfeldausfall. Weitere Symptome sind Wahrnehmungsstörungen, Orientierungsstörungen, Wortfindungsstörungen oder eine allgemeine Verwirrung sowie starke Kopfschmerzen und Schluckstörungen. Außerdem können ohne erkennbare Ursache Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Übelkeit auftreten.

Die Symptome, die im Einzelnen zu beobachten sind, variieren von Fall zu Fall in ihrer Ausprägung und der Häufigkeit ihres Auftretens. Nach einem leichten Schlaganfall finden viele Patienten mit den geeigneten Reha-Maßnahmen wieder weitgehend in ihr altes Leben zurück und können unter Umständen sogar noch Auto fahren. Ein schwerer Schlaganfall dagegen führt fast immer zu einer Pflegebedürftigkeit.

Anforderungen an die Pflege eines Schlaganfall-Patienten

Dass nach einem Schlaganfall eine Pflegebedürftigkeit eintritt, ist aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung des Gehirns während des Schlaganfalls sehr wahrscheinlich. Wie auch die Symptome kann die Pflegebedürftigkeit unterschiedliche Ausprägungen annehmen und zeitweise oder für den Rest des Lebens bestehen bleiben.

Besteht der Pflegebedarf zwar mehrmals täglich, jedoch kann der Pflegebedürftige ansonsten tagsüber alleine bleiben, kann die Pflege nach beantragtem Pflegegrad (früher Pflegestufe) im eigenen Zuhause erfolgen. Durchgeführt wird die Pflege von professionellen Pflegekräften eines ambulanten Pflegedienstes oder, sofern möglich, von Angehörigen. Muss der Pflegebedürftige ganztägig betreut werden, erhöhen sich die Anforderungen an die Pflege dramatisch – in vielen Fällen wird es dann unumgänglich, den Schlaganfall-Patienten in einem Pflegeheim unterzubringen.

Was ist in der Pflege eines Schlaganfall-Patienten besonders zu beachten?

Leidet der Pflegebedürftige unter einer teilweisen oder halbseitigen Lähmung, geht der Pflegebedarf über die alltäglichen Pflegetätigkeiten hinaus. Man spricht dann auch von einer schwersten Pflegebedürftigkeit, die besondere Anforderungen an die Pflege stellt. Diese wird meist durch einen ambulanten Pflegedienst durchgeführt, welche die Pflegeleistungen der Pflegegrade (vormals Pflegestufen) zur Versorgung nutzen. Weil der Pflegebedürftige oftmals bettlägerig ist bzw. sich nur in den seltensten Fällen selbstständig bzw. im Rollstuhl fortbewegen kann, reicht die Unterstützung und Anleitung bei der Körperpflege, der Bewegung und der Ernährung nicht aus. Stattdessen muss die Pflegeperson oder Pflegedienst darauf achten, dass das lange Liegen oder Verharren in ein und derselben Position nicht zu Folgeerkrankungen führt.

Eine wichtige Aufgabe der pflegenden Person ist z. B. das Umlagern des Pflegebedürftigen. Das bedeutet, dass die Liegeposition oder Sitzhaltung regelmäßig verändert werden muss, und zwar aus der Kraft der Pflegeperson heraus. Nur so kann ein Wundliegen oder Wundsitzen vermieden werden.

Je länger das Gehirn nach dem Schlaganfall ohne Sauerstoff gewesen ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Pflegebedürftige neben körperlichen Schädigungen auch von geistigen Behinderungen betroffen ist. Daher sind bei der pflegenden Person, vor allem wenn es sich um einen pflegenden Angehörigen handelt, Geduld und die Ermutigung zu kleinen Handlungen von größter Wichtigkeit.

Außerdem müssen pflegende Angehörige und ambulante Pflegekräfte folgende Aspekte bei der Pflege beachten:

  • Schlaganfall-Patienten müssen ausreichend trinken, um genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Häufig geht mit dem Schlaganfall jedoch eine Blasenschwäche einher.
  • Ist eine Körperhälfte gelähmt, sollte beim An- und Ausziehen auf diese Seite besonders geachtet werden. Sie sollte immer zuerst angezogen und als letztes ausgezogen werden.
  • Baden belastet den Kreislauf. Stattdessen sollten Schlaganfall-Patienten geduscht werden, beispielsweise unter Zuhilfenahme eines Duschhockers, um dem Pflegebedürftigen den Vorgang zu erleichtern.

Können die Leistungen der Pflegeversicherung die Kosten decken?

Pflegebedürftige mit einem leichten Schlaganfall können, nach einer Reha und mit der richtigen medizinischen und physiotherapeutischen Unterstützung, wieder ein weitgehend selbstständiges Leben führen und sind nur zeitweise auf Pflege und Betreuung angewiesen. Sie erhalten in der Regel einen Pflegegrad (früher Pflegestufe), der im mittleren Bereich liegt und können die ausgezahlten Leistungen einsetzen, um einen pflegenden Angehörigen zu entlasten oder einen ambulanten Pflegedienst zu beauftragen.

Pflegebedürftige, die einen schweren Schlaganfall mit Folgen wie Lähmungen und geistigen Behinderungen hinter sich haben, müssen dagegen häufig fast rund um die Uhr gepflegt werden. Die Zahlungen der Pflegekasse sind gesetzlich festgelegt und können nur bis zu einem bestimmten, ebenfalls per Gesetz geregelten Rahmen erweitert werden.  Selbst wenn sie den höchsten Pflegegrad (Pflegegrad 5 – vormals Pflegestufe 3 Härtefall) erhalten, reichen die Leistungen der Pflegeversicherungen jedoch in vielen Fällen nicht aus.

Um sich für den Fall abzusichern, dass ein Schlaganfall mit anschließender Pflegebedürftigkeit eintritt, können sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte eine private Pflegezusatzversicherung abschließen. Für eine solche Versicherung ist aber in der Regel eine Grundvoraussetzung, dass der Versicherte noch keinen Anspruch auf Versicherungsleistungen besitzt: Es darf also noch kein Schlaganfall eingetreten sein – auch keiner, der glimpflich ausgegangen ist.

2018-01-23T15:00:06+00:00
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