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Um einen Pflegegrad nach dem neuen Einstufungssystem zu erhalten, müssen pflegebedürftige Patienten gewisse Voraussetzungen erfüllen. Nachfolgend lesen Sie, was Sie beim Antrag bei der Pflegeversicherung beachten müssen.

Voraussetzung für Pflegegrade

Die Umstellung der Pflegeversicherung im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze bringt vielen Patienten, die im Alltag auf Pflege angewiesen sind, Vorteile: Ganz gleich, ob sie aufgrund einer körperlichen Erkrankung, einer kognitiven Störung oder einer Kombination aus beidem auf Hilfe angewiesen sind, sollen sie im Pflegefall genau die Leistungen erhalten, die ihrem Grad der Selbstständigkeit entsprechen. Vor allem Menschen, die unter kognitiven Defiziten leiden und bislang durch das Raster des Pflegestufensystems fielen, profitieren mit der Umstellung von dem neuen Gesetz, da erstmals nicht die körperlichen Einschränkungen als Voraussetzung für eine Pflegestufe gelten, sondern der Mensch als Ganzes betrachtet wird.
Grundsätzlich soll es mit der neuen Regelung für die Betroffenen einfacher werden, einen Pflegegrad zu erhalten. Einfacher deshalb, weil in der Begutachtung mehr Kriterien als zuvor eine Rolle spielen, und selbst Pflegebedürftige, die nach dem alten System keine Pflegestufe erhalten haben, weil sie noch weitgehend selbstständig sind, können mit dem neuen Pflegegrad 1 auf Leistungen aus der Pflegeversicherung hoffen. Dennoch gilt es einige Punkte zu beachten, die vor der Antragstellung, in der Vorbereitung auf den Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) und während des Gutachterbesuchs geprüft und aufgelistet werden sollten. Wie aber lauten eigentlich die Voraussetzungen, die notwendig sind, um einen Pflegegrad zu erhalten?

Diese Voraussetzungen müssen Sie für einen Pflegegrad erfüllen

Im Detail unterscheiden sich die Voraussetzungen, die für die Einstufung in einen Pflegegrad erfüllt werden müssen, von Pflegegrad zu Pflegegrad. Die Grundvoraussetzung, um überhaupt in einen Pflegegrad eingeteilt zu werden, ist zunächst eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Ist diese gegeben, z. B. durch eine leichte Demenz oder andere kognitive Beeinträchtigungen, die aber noch eine spürbar vorhandene Selbstständigkeit erlauben, erhalten pflegebedürftige Personen bereits die Leistungen der Pflegestufe 1.
Entsprechend den Regelungen des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) müssen hilfebedürftige Personen in sechs zuvor definierten Bereichen des täglichen Lebens Defizite aufweisen, um eine Einstufung in eine Pflegestufe zu erhalten. Dabei müssen nicht alle Bereiche von einem Defizit oder einer Einschränkung betroffen sein – ausschlaggebend für eine Einstufung in einen Pflegegrad ist die Gesamtzahl der Punkte, die der Gutachter im NBA vergibt. Folgende Kategorien des Alltags werden dabei überprüft:

  • Mobilität: Kann der Begutachtete noch alleine aus dem Bett aufstehen, laufen, Treppen steigen oder sich setzen?
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kann er eigenständig Entscheidungen treffen? Findet er sich zeitlich und räumlich zurecht?
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Zeigt er motorische oder kognitive Verhaltensauffälligkeiten? Gibt es Anzeichen nächtlicher Unruhe o. ä.?
  • Selbstversorgung: Kann der Begutachtete selbstständig die Körperpflege vornehmen? Kann er sich an- und auskleiden? Kann er sich Mahlzeiten zubereiten und diese eigenständig zu sich nehmen?
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Wird Unterstützung bei der Medikamentengabe benötigt? Wie kommt der Pflegebedürftige zu Arzt- und Betreuungsterminen?
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Beschäftigt er sich selbstständig? Pflegt er seine sozialen Kontakte? Hat er sich von der Außenwelt zurückgezogen?

Für jedes dieser Kriterien stellt der Gutachter eigene Beobachtungen an und ergänzt diese durch Fragen zum Verhalten des Patienten, zu seiner Selbstständigkeit, zu Einschränkungen und zum täglichen Pflegeaufwand. Je weniger selbstständig die pflegebedürftige Person in einer Kategorie ist, desto mehr Punkte werden vergeben.

So erfolgt die Einstufung in einen Pflegegrad

Hat der Gutachter des MDK sein Gutachten erstellt und eine Gesamtsumme von Punkten vergeben, legt die Pflegeversicherung anhand seiner Einschätzung fest, welchen Pflegegrad der Patient erhält. Um eine Einstufung zu bekommen, müssen mindestens 12,5 Punkte erreicht werden; das Maximum liegt bei 100 Punkten.

  • Pflegegrad 1: 12,5 – unter 27 Punkte
  • Pflegegrad 2: 27 – unter 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3: 47,5 – unter 70 Punkte
  • Pflegegrad 4: 70 – unter 90 Punkte
  • Pflegegrad 5: 90 – 100 Punkte

Um dem Gutachter seinen Besuch zu erleichtern und auch Aspekte, die während des Gutachter-Gesprächs vielleicht übersehen oder vergessen werden, mit in das Assessment einfließen zu lassen, ist es sinnvoll, sich intensiv auf den Besuch des MDK vorzubereiten. Darunter fällt einerseits das Zusammenstellen von Unterlagen rund um den Krankheitsverlauf des pflegebedürftigen Patienten, andererseits die genaue Beobachtung eines typischen Tagesverlaufs inklusive des Führens eines Pflegetagebuchs. Bei uns finden Sie Checklisten, mit denen Sie überprüfen können, wie Sie sich bestmöglich auf den MDK-Besuch vorbereiten können. Auch eine Download-Vorlage für das Pflegetagebuch stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Wie können Leistungen bezogen werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind?

Der Ablauf der Einstufung in einen Pflegegrad ist per Gesetz geregelt und erfolgt in aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst muss die pflegebedürftige Person, sofern sie eine Einstufung in eine Pflegestufe für realistisch hält, einen Antrag bei der Pflegeversicherung stellen. Dieser kann formlos, d. h. in einem frei formulierten Schreiben mit der Bitte um Einstufung bei der Krankenkasse des Versicherten erfolgen. Übrigens können Sie online bereits eine unverbindliche Berechnung Ihres voraussichtlichen Pflegegrads vornehmen. So können Sie bereits im Vorfeld eine grobe Einschätzung vornehmen, ob und welchen Pflegegrad Sie wahrscheinlich zugeteilt bekommen.
Nachdem der Antrag bei der Krankenkasse eingegangen ist, haben Sie in der Regel rund 2 Wochen Zeit, sich auf den Besuch des Gutachters vorzubereiten. Spätestens zum Zeitpunkt der Antragstellung sollten Sie damit beginnen, ein ausführliches Pflegetagebuch zu führen, in dem Sie jede Pflegehandlung mit Angabe der Dauer vermerken, und zwar auch die regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen wie etwa das Begleiten zur Toilette. Zudem sollten Sie Unterlagen zusammenstellen, die den Krankheitsverlauf dokumentieren. In einem zusätzlichen Dokument oder Notizbuch können Sie notieren, welche weiteren Defizite kognitiver oder körperlicher Art der Pflegebedürftige aufweist und welche Auswirkungen diese auf die Gestaltung des Alltags haben.
Ausschlaggebend für die Einstufung in einen Pflegegrad ist der Eindruck, den der Gutachter bei seinem Besuch erhält. Aspekte, die Sie nicht ansprechen oder ihm nicht schriftlich vorlegen, finden in der Regel auch keinen Eingang in das Gutachten und können dafür sorgen, dass Sie einen niedrigeren Pflegegrad erhalten als erwartet. Wie hoch die Leistungen am Ende ausfallen, richtet sich nach der Einstufung und Ihrer Entscheidung, ob Sie ein Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus beidem beziehen möchten.

2019-01-14T09:09:51+00:00
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